avare, 200717.08.2011 17:34

Es war vor fast einem Jahr. Ich arbeitete damals mit einer Frau zusammen, deren Freund als Arzt in der geschlossenen Psychiatrie arbeitete. Sie hatte gerade mit ihrem Freund telefoniert und erzählte mir von einem seiner aktuellen Fälle: Es ging um ein Mädchen. Sie war eine Cutterin. Deshalb saß sie auch da. Doch ihr reichte es nicht nur ihre Haut aufzuschlitzen, nein, sie stopfte auch, was immer ihr in die Finger kam, in die Wunden. Als die Ärzte meinten, dass es ihr etwas besser ginge, erlaubten sie es ihr etwas an die frische Luft zu gehen. Doch was tat sie? In einem unbeobachteten Moment riss sie sich ihre Verbände ab und ihre noch nicht verheilten Arme wieder auf. Da stopfte sie dann Erde rein. Meine Kollegin sagte, dass es laut ihrem Freund jetzt besonders schlimm aussah, dass sie sogar ihre Arme verlieren konnte. Ich verstehe es nicht. Warum neigen Frauen viel häufiger und viel extremer zur Autoaggression als Männer. Hängt es mit der Sozialisierung zusammen, oder sind Frauen allgemein anders gestrickt als Männer? Naja, das war es auch schon. Wollte dies nur festhalten.

 

avare, 200705.05.2011 16:07

Vor etwa einer Woche wollte ich etwas schreiben. Mir fiel aber nichts ein. Griff nach dem Buch, das ich gerade las (”Las Vegas” von Mario Puzo) und schlug es auf. Landete auf der Seite 60. Schrieb die Worte raus, zu denen ich was schreiben zu können glaubte.

Dies sind die Worte (in der Reihenfolge auf der Seite):

Ruhm

Glücksspiel

Kirche

Verurteilung

Laster

Gott

Wetten

Menschen

Zeit

Prediger

Gesinde

Herren

Aufstand

Hatte vor zu jedem Wort einen Post zu schreiben. Doch geschrieben habe ich kein Wort. Jetzt habe ich den Zettel vor mir auf dem die 13 Worte und “Las Vegas (Seite 60)” notiert sind. Werde jetzt etwas schreiben. Wird aber keine 13 Posts geben, sondern nur diesen. Vermutlich werde ich manch ein Wort auch nur kurz abhandeln.

Ich beginne.

Ruhm

Als Kind hielt ich mich für etwas besonderes. War sicher, dass etwas von mir bleiben würde, wenn ich tot bin. Ruhm ist natürlich nicht nur etwas, was sich nach dem Tod manifestiert. Doch für mich war Ruhm eigentlich fast immer gleichbedeutend mit “Nachruhm”. Ich identifizierte mich mit Figuren wie Vincent van Gogh, Jesus und Mozart. Menschen, die nach ihrem Tod größer wurden. War sicher, dass auch ich früh sterben würde, und man erst nach meinem Tod erkennen würde, wie toll ich war. Ich bin nicht sicher wie gewöhnlich solche Vorstellungen sind und wie man sie deuten kann. Ist mir aber auch egal. Mir ist heute auch nicht klar, wieso jemand an Nachruhm interessiert ist. Was interessiert es, was andere von einem denken, wenn man tot ist? Wenn man berühmt sein kann, dann doch möglichst zu Lebzeiten. Aber warum will man überhaupt Ruhm? Darum. Jeder (vielleicht auch nur fast jeder) will sich vom Rest abheben. Jeder braucht einen Sinn im Leben; oder wenigstens etwas, was einen so sehr betäubt/ablenkt, dass man sich diese Sinnfrage nicht stellt. Ruhm ist neben Religion, Sex, Geld, Macht und, was Menschen noch so einfällt, etwas, was dem Leben Sinn geben kann oder einen zumindest so sehr einnimmt, dass man sich die Sinnfrage nicht stellt.

Glücksspiel

Bin ich anfällig für.

Ich pokere. Ich wette. Ich spiele Lotto.

Beim Lotto geht es mir nur ums Geld. Lottospielen macht keinen Spass.

Ich spiele aus zwei Gründen Lotto:

1. Ich würde gerne einen Haufen Geld gewinnen.

2. Ich spiele seit ca. 15 Jahren eine Reihe. Natürlich habe ich diese sechs Zahlen im Kopf. Und dies ist der Grund, dass ich ein Lotto-Abo habe. Ich fürchte, dass die Reihe kommt, wenn ich sie mal nicht spielen sollte. Diese Angst ist natürlich irrational. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese sechs Zahlen gezogen werden ist genauso gross wie bei jeder anderen Reihe, nämlich ca. 14.000.000 zu 1, dennoch kann ich nicht anders als diese Reihe zu spielen. Könnte es mir nicht verzeihen, wenn sie gezogen würde und ich sie nicht gespielt hätte.

Für meine Sportwetten gibt es einen Hauptgrund:

Wenn ich auf ein Sportereignis gewettet habe, macht es mehr Spass das Event anzuschauen. Spass ist aber eigentlich nicht das richtige Wort. Die Gefühle, die mich überkommen, wenn ich etwas sehe, worauf ich wettete, sind Angst, Wut, Enttäuschung, Spannung, Erleichterung - welche Gefühle in welcher Intensität vorkommen ist immer abhängig von Verlauf und Ausgang des Sportereignisses.

Ähnliche Gefühle habe ich auch beim Pokern.

Wobei ich beim Poker spielen öfter wütend werde, als beim Anschauen von Sportereignissen. Wobei ich echt kein Problem damit habe zu verlieren. Ich werde nur wütend, wenn ich alles richtig mache und der andere unglaubliches Glück hat.

Kirche

Halte ich sehr wenig von. Natürlich haben Kirchen (Damit meine ich nicht nur christliche Kirchen. Ich verstehe das Wort “Kirche” in diesem Zusammenhang als eine Organisation, die den Anspruch hat eine Religion zu vertreten.) auch einiges Gutes getan, doch dies wiegt bei weitem nicht die “Sünden” und Straftaten der “Kirchen” auf.

Religionen lehne ich aber nicht ab, obwohl ich persönlich eher ungläubig bin.

Wenn eine Religion anderen Menschen Trost und Sicherheit geben kann, kann niemand sich herausnehmen, dies zu kritisieren.

Verurteilung

Ich denke, dass niemand jemanden verurteilen sollte, wenn dieses Verhalten keinem schadet. Wenn aber jemand anderen schadet, sollte man nicht zögern dieses Verhalten zu stoppen und den Täter zu bestrafen.

Laster

Mein (Haupt-)Laster ist die Faulheit. Zudem bin ich manchmal unzugänglich für andere Menschen. Geht teilweise so weit, dass ich nicht anders kann, als zuzugeben, dass mein Verhalten autistische Züge in sich trägt.

Gott

Ich bestreite nicht, dass es so etwas wie Gott gibt. Bin aber sicher, dass jedes bekannte Gottesbild das Produkt menschlicher Imagination ist.

Wetten

Schon abgehandelt. Siehe Glücksspiel.

Menschen

Yeshayahu Leibowitz hat mal gesagt, dass jeder Mensch zeitweilig oder auf Dauer böse und/oder dumm sein kann. Stimme dieser Aussage zu. Glaube nicht, dass Menschen grundsätzlich gut oder böse/schlecht (Dies ist ein Unterschied. Nietzsche hat dazu ziemlich viel geschrieben.) sind, aber daran, dass diese negativen Eigenschaften in jedem schlummern, habe ich keine Zweifel. Dies hat zur Folge, dass ich oft sehr misstrauisch bin.

Zeit

“Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.”

Prediger

Ich mag keine Prediger.

Gesinde

Wird es immer geben.

Manchmal tun sie mir leid, manchmal denke ich mir, dass jeder bekommt was er verdient.

Herren

Lehne ich ab. Wird es aber immer geben.

Aufstand

Meistens richtig. Selten erfolgreich.

avare, 200621.11.2010 00:36

Später Nachmittag, schon dunkel, auch weil es sehr bewölkt war und regnete. Ich vor dem Laden. Eine rauchen. Die Menge bewegte sich schnell über die Straße. Niemand hatte einen Blick für die Geschäfte. Plötzlich sah ich ein Mädchen in der Menge gehen. Sie ging noch einen Tick schneller als die meisten anderen und ihre Augen schienen nicht das zu sehen, was vor ihr lag, sondern irgendwas anderes, vielleicht war sie in Gedanken, vielleicht wollte sie auch nur möglichst schnell an ihr Ziel, was bei dem Wetter wohl verständlich war. Ich dachte: "Die kenne ich doch. Wer ist sie?" Als sie gerade an mir vorbei dachte ich: "Anna. Hat sie sich die Haare gefärbt? So blond war sie doch früher nicht?" Nach diesem Gedanken waren bestimmt schon ca. 10 Meter Abstand zwischen uns. Überlegte ob ich was rufen sollte, war aber auch nicht sicher, dass sie es war. Zögerte kurz, doch war dies lang genug, dass sich der Abstand verdoppelt hatte. Dann endlich rief ich "Anna!" - war eigentlich kein Rufen, eigentlich nur ein lautes Sprechen. Sie hatte mich wohl nicht gehört. Sie drehte sich jedenfalls nicht um. Aber auch kein anderer Mensch aus der sich im Regen bewegenden Menschenmenge sah zu mir um zu sehen, wer da rief, was ich als sicheres Indiz erfasste, dass ich nicht laut genug gerufen hatte. Überlegte ob ich nochmal rufen sollte, diesmal lauter, oder ob ich ihr nachlaufen sollte, aber als ich wieder hinsah, konnte ich sie nicht mehr in der Menschenmenge ausmachen. Die Worte "Vorbei. Früher und/oder lauter - du hättest früher und/oder lauter rufen müssen - jetzt ist sie weg." gingen mir durch den Kopf, sah noch einmal in die Menschenmenge, schnippte meine Kippe weg und ging wieder in den Laden.

 

 

avare, 200616.10.2010 17:31

Was soll man tun, wenn man nur von Irren umgeben ist?

Eine Frage, die mir schon den ganzen Tag durch den Kopf schwirrt.

Zuerst muss man die Möglichkeit ausschließen können, dass man selbst der Irre ist, und sich nur einbildet, dass alle um einen verrückt sind. Dies auszuschließen ist schwierig, da man - wenn man selbst der Verrückte ist - wohl kaum ein "objektives" Urteil treffen kann. Aber nehmen wir mal an, man ist nicht verrückt. Diese Annahme ist eine Grundvoraussetzung zur Annäherung an die Frage "Was soll man tun, wenn man nur von Irren umgeben ist?" Beginnen wir mit den Überlegungen: Allen um einen herum sind Dinge wie Vernunft und Urteilsvermögen unbekannt. Kommunikation ist unmöglich. Die Anwendung des ersten Gedankens es nichtsdestotrotz mit Vernunft zu versuchen hat sich als grandios gescheitert erwiesen. Man wurde nur in der vorherigen Annahme bestätigt, dass man von lauter Irren umgeben ist, mit denen kein vernünftiger Umgang möglich ist.

Welche Möglichkeiten hat man als "Normaler" in einer irren Umgebung?

Jetzt gilt es die anderen Möglichkeiten abzuwägen:

1. Man kann dem Spruch "Wenn du in Rom bist, handle wie die Römer." folgen und sich anpassen, versuchen der irreste unter den Irren zu sein.

2. Man kann versuchen sich aus allem rauszuhalten. (Dies kann aber sehr frustrierend sein, denn dann wird man andauernd links und rechts von Irren überholt, von denen man sicher weiß, dass sie nicht einen Bruchteil der eigenen Fähigkeiten besitzen.)

3. Man kann einen Ortwechsel in Erwägung ziehen. Wenn man erkennt, dass um einen einer irrer ist als der nächste ist es vielleicht angebracht diesen Ort zu verlassen.

 

Die dritte Alternative scheint am vernüftigsten, doch hat sie auch den Geruch der Feigheit: man schafft es nicht sich durchzusetzen und flieht. Zudem kann man auch nicht sicher sein, was einen an dem neuen Ort erwartet. Vielleicht sind da auch nur Irre. Wäre es nicht besser da zu bleiben, wo man sich zumindest ansatzweise auskennt, wo man zumindest schon feststellen kann, dass der Ort voller Irrer ist. Wohingegen man nach einem Ortwechsel erst einmal herausfinden muss wie es dort abläuft. Bin unsicher, allerdings scheint mir das Verbleiben unter den Irren auch keine rechte Lösung zu sein. Vielleicht kann man sich nie an diese irre Umgebung anpassen, oder es gelingt einem zu gut, dass man sich am Ende in dieser irren Umgebung durchsetzen kann, aber dies um den Preis der eigenen geistigen Gesundheit. Vielleicht ist dieser Preis zu hoch. Vielleicht gibt es Alternativen. Vielleicht gibt es draussen tatsächlich Orte, wo nicht alle verrückt sind. Vielleicht muss man einfach raus. Denn wenn man unter den Irren bleibt, stellt man vielleicht irgendwann fest, dass es nicht geht, dass man sich nicht einordnen kann, entweder weil es einem nicht gelingt sich anzupassen oder weil man nicht bereit ist auch irre zu werden, nur weil dies der einzige Weg ist sich durchzusetzen. Die Frage ist doch diese: Wenn man irre sein muss um Akzeptanz zu erfahren, hat man sich dann durchgesetzt oder hat sich der Irrsinn in einem durchgesetzt? Fragen, Fragen und keine Antworten. Und die ganze Zeit vergeht eben dieselbige. Irgendwann stellt man fest, dass es nicht geht, dass man nicht Teil des Irrsinns sein kann, doch dann ist es vielleicht zu spät für einen Ortwechsel.

 

 

avare, 200609.10.2010 18:52

Warum diese Frage?

Bin nicht sicher.

Vielleicht braucht man etwas, woran man glaubt, damit das Leben einen Sinn hat. Vielleicht habe ich auch keine Antwort auf die Frage, weshalb ich ausgerechnet mit dieser Frage beginne. Vielleicht sollte ich dies überspringen und mich der eigentlichen Frage "Woran glaubst du?" zuwenden.

Also, woran glaube ich?

Vermutlich nichts, zumindest kann ich nichts benennen, woran ich aktuell glaube. Vielleicht sollte ich zunächst über das Wort "glauben" nachdenken. Was verstehe ich unter diesem Begriff? Ich sehe sehr wenige Sicherheiten im Leben des Menschen. Der Mensch muss atmen, essen, trinken und (vermutlich) schlafen. (Das "vermutlich" kommt daher, da es auch Menschen geben soll, die jahrelang ohne richtigen Schlaf leben.) Für das Überleben der Menschheit ist es auch unerlässlich, das zumindest einige Menschen sich fortpflanzen. Doch dazu ist mittlerweile auch nicht zwangsläufig Sex nötig. Doch um die Menschheit geht es mir sowieso nicht. Es geht um einen Menschen, irgendeinen Menschen. Was muss er/sie? Atmen, essen, trinken und (vermutlich) schlafen. Alles andere steht zumindest teilweise mit "glauben" im Zusammenhang. Der jeweilige Mensch "glaubt", und jenes, woran er glaubt, gibt der ansonsten vorhandenen Sinnlosigkeit einen Sinn.

Nun, woran glauben Menschen?

1. An Menschen, bzw. das Bild eines Menschen, das in dem glaubenden Menschen existiert. In der Regel ist dieser Mensch ein anderer als der Mensch, der an ihn glaubt. (Es gibt aber auch Menschen, die an sich, bzw. ihr Selbstbild, glauben.)

2. Gedankenkonstruktionen, dies kann eine Religion, ein Ideologie, eine TV-Serie oder was auch immer sein, das sich (andere) Menschen ausdachten. (Ich bin nicht davon überzeugt, das Religionen von "Gott" kommen. Tendiere eher dazu, dass alle Religionen aus Menschenköpfen entsprangen. Werde später genauer darauf eingehen.)

3. Sex (Bin nicht sicher auf welcher Position Sex stehen soll. Sex könnte auch als erstes Punkt angeführt werden.)

4. Andere Lebewesen, die keine Menschen sind.

5. Unbelebte Dinge

 

Oft kann das, woran Menschen glauben, nicht nur einem der genannten Punkte zugeordnet werden. Kombinationen sind nicht selten.

Wie auch immer, dies sind fünf Ansätze, mit denen man eigentlich alles beschreiben können müsste, woran Menschen glauben.

Woran glaube ich?

Vermutlich nichts, wie ich bereits anfangs schrieb.

Will aber dennoch etwas zu den fünf Komponenten schreiben.

Beginne mit dem dritten Punkt meiner Aufzählung: Sex. Was bedeutet es an Sex zu glauben? Ich bin der Überzeugung, dass die Motivation eines Großteils aller menschlichen Handlungen sexueller Natur ist. Es geht fast immer auch um Sex. Selbst wenn der handelnde Mensch sich dessen nicht bewusst ist. Dies gilt für nahezu jeden Menschen, egal ob Mann oder Frau, egal wo, egal wie gebildet oder ungebildet der Mensch ist. Doch all dies ist nicht gleichzusetzen mit einem Menschen, der an Sex glaubt. Ein Mensch der an Sex glaubt, glaubt durch Sex Sinn und Erfüllung zu finden. Für mich gilt dies nicht. War auch nie so. Natürlich könnte sich dies morgen ändern, doch dies gilt auch für alle anderen Ansätze. Morgen könnte alles anders sein. Über die Zukunft kann ich hier nicht nachdenken. Aktuell glaube ich nicht an Sex. So, der Sex ist abgehakt.

Jetzt sollte ich mich dem ersten Punkt zuwenden. Ich glaube an keinen Menschen. Weder an mich, noch einen anderen Menschen. Würde mich für meine Familie einsetzen, aber nicht weil ich an sie glaube, sondern weil es meine Familie ist. An einen Menschen glaube ich auch nicht, insbesondere an niemanden, den ich gar nicht kenne. Bin kein Fan. War nie einer. Manch ein anderer glaubt abgöttisch an einen "Star" - ein idealisiertes Bild eines ihm unbekannten menschlichen Wesens - mir ist dies fremd.

Der zweite Punkt "Gedankenkonstruktionen" betrifft mich auch nicht. Glaube an keine. Bin nicht religiös. Bin auch kein derartig extremer Fan von sonst etwas. Es gibt immer eine Distanz. Selbst wenn ich ein Buch, einen Film oder was immer wahrhaft fühle, bin ich mir immer dessen bewusst, dass es nicht "echt" ist.

An Tiere oder Außerirdische glaube ich auch nicht. Ich mag Tiere, eigentlich alle Tiere, dennoch sind es Tiere. An die Existenz von Außerirdischen glaube ich. Irgendwo gibt es Leben außerhalb der Erde. Glaube aber nicht, dass es einen Kontakt gab oder geben wird, da die Distanz zu groß ist. Und selbst wenn es einen Kontakt geben sollte, wird die Menschheit nicht von Außerirdischen aus der Sinnlosigkeit, die sich Leben nennt, erlöst.

An unbelebte Dinge glaube ich am wenigsten. Kann keine "Beziehung" zu einem Auto oder Stein und was sonst noch existiert aufbauen.

So, das war’s.

Ich glaube an nichts.

Ich würde aber gerne an etwas glauben, auch weil ich glaube, dass es gut ist an etwas zu glauben, doch bisher ist mir nichts begegnet woran ich glauben könnte.

Vielleicht kann sich dies schon morgen ändern…

…daran glaube ich.

avare, 200607.10.2010 13:28

A und ich unterhalten uns. A sitzt mit dem Rücken zur Tür. Ich hab die Tür im Blick. N kommt rein. Nach wenigen Begrüßungsworten beginnt ein Gespräch.

ich: Ich hab gehört, du willst… (Ist ja eigentlich egal worum es geht. Will auf etwas anderes hinaus. Ist auch nichts, was für andere von Bedeutung ist. Lasse die Details deshalb weg.)

N: Ja, ich… (Gilt das gleiche wie oben.)

Das Gespräch dauert vielleicht 2-4 Minuten. Dann, als es eigentlich schon zu Ende ist, sagt N folgendes: “Von wem hast du das eigentlich gehört?”

N hat A im Verdacht, dies wird für mich deutlich. (Und sie liegt richtig.) Bevor ich antworten kann hat A dies schon für mich erledigt: “Von B.”

Durch meinen Kopf blitzt ein Gedanke: “Was jetzt?” Normalerweise hätte ich ausweichend geantwortet, im Sinn von “Ich kann mich nicht erinnern. Hab ich so von jemand gehört.” (Ich lüge nicht. Man kann meistens ausweichend antworten, oder das Thema wechseln. Wenn die andere Seite weder das eine noch das andere zulässt, verweigere ich einfach die Antwort; auch wenn man sich damit keine Freunde macht. Ist mir aber lieber als zu lügen. Das Problem mit Lügen ist nämlich, dass man sich an sie erinnern muss. Mit einer Lüge ist es nie getan. Ist für mich eine rein rationale Sache. Bin da nicht so moralisch, dass ich sage: “Lügen darf man nicht.” - Lüge nur wenn es der einfachste Weg ist aus einer Sache rauszukommen und wenn ich nicht annehme die Person, die von mir angelogen wird, nie wieder zu sehen.) All die Gedanken in der Klammer hatte ich in dem Moment nicht. Sie stellen mein grundsätzliches Verhältnis zu Lügen dar. Das Einzige, was in dem Moment als A gelogen hatte, dachte war: “Was jetzt?” und “Soll ich A jetzt als Lügnerin entlarven.” Entschied im Bruchteil einer Sekunde. Wiederholte A’s Worte: “Von B.”

Natürlich sprach mich N einige Tage später, nachdem sie mit B gesprochen hatte, darauf an. Warf mir vor, dass ich link sei. Ich bin nicht link. Was war meine Wahl? A als Lügnerin entlarven oder A’s Lüge bestätigen, in dem Wissen, dass es wirklich kein so großes Geheimnis war, und dass die Sache so erledigt sein könnte.

Allerdings fand ich eines besonders negativ: A behauptete dann (als die Lüge als solche enttarnt war) ich hätte gesagt, dass ich es von B gehört hätte. Hatte nur ihre Lüge bestätigt, um sie nicht als Lügnerin dastehen zu lassen, und sie hatte nicht einmal jetzt die Courage zu ihrer Lüge zu stehen und versuchte es auf mich abzuwälzen.

Also, Jungs & Mädels, ab jetzt werde ich niemandes Lüge mehr bestätigen.

Macht auch darauf gefasst.

avare, 2006 01:09

Sah heute auf arte den Kurzfilm “Bonbon au poivre”. Als der Abspann lief merkte ich mir den Namen einer der beiden Hauptdarstellerin: Aure Atika. Ich mag den Namen Atika. Spiel(t)e lange mit dem Gedanken meine Tochter Sara Atika zu nennen. (Wenn ich den irgendwann mal eine Tochter haben sollte.)

Bonbon au poivre ist ein Kurzfilm. Wie ich gerade erfuhr ist der Film 37 Minuten lang. Die ersten 5-7 Minuten sah ich nicht. Den weiteren Verlauf des Films und die Gedanken, die in meinem Hirn schwirrten, während ich den Film sah, will ich kurz nacherzählen:

Eine Schulungssituation. Melanie (gespielt von Aure Atika) leitet sie. Annick (Chantal Banlier) ist eine der Teilnehmerinnen. Die Teilnehmer sollen nach der Schulung als Vertreter Tankstellen, Supermärkte und andere Geschäfte besuchen und die Süßigkeiten des Unternehmens anbieten. Ist eine typische Schulung. Auch mit diesen bekloppten Übungen, wo die Teilnehmer zu Rollenspielen gezwungen werden. (A ist der Vertreter, B ein Tankstellenbesitzer. Und dann andersrum.) Ach, wisst ihr was? Ich will die Story nicht nacherzählen. Bringt vielleicht auch nicht soviel. Weil es nur die Story wäre. All der ganze Rest (die Optik, die Schauspielerleistung etc.) kann in einer kurzen Nacherzählung nicht rübergebracht werden. Nur soviel: Ich fand den Film sehr überzeugend. Die Story. Die Umsetzung. Der Look. Die Schauspieler. Alles kam für mich sehr real rüber. Und Aure Atika ist eine wirklich schöne Frau. Dachte zuerst das “Aure” die französische Schreibweise des Wortes “Aura” sein könnte. Doch dem ist wohl nicht so. “Aura” ist im Französischen ebenfalls “Aura”. Wäre auch zu schön gewesen. Der Name “Atika” ist nämlich ein arabischer und bedeutet soviel wie edel, vortrefflich, rein - und wäre “Aure” die französische Schreibweise von Aura gewesen, hiesse “Aure Atika” die “Aura Atikas”. Naja, ist wohl nicht so. Nach der Bedeutung des Wortes Aure gefahndet. Doch nichts gefunden. Gibt lediglich einen Fluss und einige Orte, die so heissen. Hier ein Link im französischen Wikipedia: Klick.

Übrigens seltsam, dass Aure Atika einen arabischen Nachnamen hat. Auf ihrer Homepage aureatika.com ist zu lesen, dass ihr Vater Franzose und ihre Mutter Marokanerin ist. Da müsste sie doch eigentlich einen französischen Nachnamen haben. Aber vielleicht waren ihre Eltern ja nicht verheiratet oder wurden geschieden als Aure ein Kind war und ihre Mutter nahm wieder ihren Mädchennamen, und sie trägt deshalb den Namen der Mutter. Vielleicht hat Aure ja selbst jemanden Namens Atika geheiratet und es ist gar nicht ihr Mädchenname. Wer weiß, wer weiß…

…eins ist sicher: Es ist spät. Ich muss ins Bett. Nacht.

avare, 200630.04.2010 22:22
bin zu einer erkenntnis gekommen: ich will gemocht werden. selbst von leuten, die mir am arsch vorbeigehen, will ich gemocht werden. wenn man mich nicht mag, dann soll man mich von mir aus gar nicht wahrnehmen, kann auch damit leben. kann aber mit ablehnung überhaupt nicht umgehen, vielleicht weil ich nicht erkennen kann, was an mir ablehnung hervorrufen könnte. breche, wenn ich ablehnung erfahre, den kontakt komplett ab, verhalte mich, als würde dieser mensch überhaupt nicht existieren. strange, aber so. versuche nicht irgendwie den grund der ablehnung zu erfahren, bin einfach weg.
avare, 2006 10:04

las mal irgendwo, dass man das sieht, was einem im kopf umgeht. wenn man beispielsweise mit dem gedanken spielt sich einen roten sportwagen zuzulegen, dann sieht man überall rote sportwagen. ich sah gestern viele depressive menschen…

welche rückschlüsse dies auch immer zulässt…

 

avare, 200629.04.2010 10:04

- "ich bin da nicht glücklich. ich will da raus."

- "du bist nirgendwo glücklich. es liegt an dir. bleib eine weile dabei. vielleicht musst du dich nur eingewöhnen."

avare, 200619.04.2010 10:06

marmelade im schnee

eiscafé auf hoher see

thunfisch auf toast

 

prost!

 

 

avare, 200609.04.2010 09:52

hätte mich am freitag fast mit jemandem geschlagen. während der mittagspause. eine glatze mit zwei schwarzen hunden stiess eine kollegin zur seite (weil sie ihm angeblich im weg stand) und griff sie (verbal, aber aggressiv) an. war sofort dazwischen, wohl doch meine gene, kann nicht dabeistehen, wenn eine frau angegriffen wird, unabhängig davon, ob es eine freundin, eine meine schwestern, eine kollegin oder auch irgendeine wildfremde frau ist. jedenfalls meinte der typ: "in ihrem/eurem (bin nicht mehr sicher ob er mich duzte oder siezte) kulturkreis mag das üblich sein, aber hier nicht!!!" (was meinte er? ihm im weg stehen?) dachte: "seltsam, dass er sich doch wie ein mensch ausdrücken kann. all diese euphemismen. er meint ‘du verfickter kanake, du gehörst hier nicht hin!’ und verwendet ein wort wie "kulturkreis". mal ganz abgesehen davon, dass ich von nirgendwo hergekommen bin. ich wurde in dieser verfickten stadt geboren. mein wissen über als auch meine prägung durch die "deutsche kultur" ist nahezu vollständig." entgegnete aber nichts außer "in unserem kulturkreis ist noch manch anderes üblich!" - er daraufhin: "dann hättet ihr dableiben sollen!" (alles sehr aggressiv.) - war einen moment nicht sicher, was ich sagen sollte, liess ihn aber nicht aus meinen blick. er entwich ihm, indem er sich wegdrehte. ich wendete meinen blick nicht ab, wartete bis er erneut in meine richtung blickte, um zu sehen, ob ich weg war. es kam so wie es kommen musste: er drehte sich nach etwa 2-3 sekunden um, mit einem gewollten aggro-blick. (gelang ihm ganz gut, aber viel mehr denn aggro, war dieser blick völlig durch den wind.) - ich hielt die fixierung aufrecht, dabei schwirrten die folgenden gedanken durch meinen kopf: "wäre der typ noch aggressiver, wenn er wüsste, dass das mädel jüdischer abstammung ist? soll ich mich jetzt schlagen? hab nur noch 20 minuten bis ich zur arbeit muss." - mit einem grinsen, das ich als hämisch empfand, entliess ich ihn aus meinem blick, dachte aber gleichzeitig: "kann man dies als schwäche inter- pretieren? und wenn schon, kann ich auch nichts dran ändern. weiß, dass dies weder die zeit ist sich zu schlagen, noch dass es etwas bringen würde." drehte mich zu meinen kollegen um und unterhielt mich mit ihnen über die vorzüge und nachteile verschiedener haustiere.

 

avare, 200628.03.2010 09:49

der aktuelle inhalt meines portemonnaies (richtig geschrieben. war überzeugt, dass irgendwas nicht stimmt, doch duden.de bestätigt, dass ich es richtig schrieb.) - den dattelkern gab mir mal eine frau, angeblich wird das portemonnaie nie leer so lange man den dattelkern mit sich trägt - keine ahnung, ob es stimmt, so lange trage ich den dattelkern auch nicht mit mir rum, ein paar monate, jedenfalls sind 4,78 € doch recht nah dran an nichts. aber immer noch genug für eine packung kippen. und mein konto kann auch noch weiter überziehen. wo ist das problem?!? heute war wieder so ein abschied. irgendwie kommt es mir so vor als wären die letzten monate eine anreihung von abschieden und neuanfängen. irgendwie auch ermüdend. zumindest berührt es mich nicht mehr so stark wie früher. naja, hab jetzt 5 tage frei. und am montag kommt wieder ein neuanfang. nächstes thema: kam heute um 20:52 h nach hause und sah den rest von gilmore girls. war die letzte folge der aktuellen staffel. wusste ich nicht. gab, soweit ich weiß, auch keine vorwarnung, sonst hätte ich mir die folge vielleicht aufgezeichnet. wahrscheinlich aber auch nicht, hatte nicht damit gerechnet erst so spät nach hause zu kommen. und noch was: gerade mit einem neuen buch begonnen. "gleissendes glück" von a.l. kennedy. berührt mich seltsam, kann dies schon nach wenigen seiten sagen, mal sehen wohin es geht. ist das erste buch von a.l. kennedy, das ich lese, bisher kannte ich nur texte von ihr auf guardian.co.uk (meistens essays, kommentare etc.) (übrigens fuckt es mich ab dass guardian.co.uk in letzter zeit nur so hakt bzw. gar nicht erst aufgeht. geht schon seit monaten! wieso kriegen die die seite nicht in ordnung?!? ist mit abstand meine lieblingszeitung im www und dieser zustand ist echt müll.) letzte woche las ich übrigens einen thriller. las das buch gerne und auch mit einem gewissen vergnügen, doch diese 400 seiten gaben mir nicht mal annähernd so viel wie die ersten 10 oder so seiten des buchs von a.l. kennedy. und noch etwas: mein haar lag heute den ganzen tag über unglaublich gut. war zumindest mein persönlicher eindruck. jedesmal, wenn ich eine reflektion meines gesichtes sah, dachte ich: "scheiße, warum sieht es nicht immer so aus?" - scheinbar ziemlich belangloser gedanke, ich weiß, doch meine haare beschäftigen mich schon. versuche schon seit monaten sie wachsen zu lassen, doch wenn es wild nach allen seiten absteht werde ich immer unsicher, ob es die richtige entscheidung ist. doch an einem tag wie diesem bin ich sicher, dass mein haar wachsen soll.

 

avare, 200622.02.2010 09:44

war heute nachmittag am friesenplatz. als ich später mit der bahn zurückfuhr sah ich zwei frauen. hatten (aus meiner sicht) beide was irres in den augen. beide etwa 50 und grau im gesicht. eine stand und riss andauernd seiten aus einer zeitschrift. sie riss bestimmt ca. 10 seiten raus. vielleicht wollte sie die zeitschrift wegwerfen und nur die seiten behalten, die sie interessierten. dachte mir: "so dick ist die zeitschrift auch wieder nicht. kannst sie doch komplett nach hause tragen." bei der zeitschrift handelte es sich wohl um die zeitschrift, die in apotheken kostenlos ausliegt (wie heisst das teil? war schon so lange nicht mehr in einer apotheke.), jedenfalls sah ich, dass eine überschrift das wort diabetes enthielt. auch das format der zeitschrift passte zur apothekenzeitschrift, so ich mich an das format der apothekenzeitschrift erinnere, hatte schon jahrelang keine mehr in der hand. die andere frau sass nur da und starrte vor sich hin. beide frauen erinnerten mich an die frau, die oskar lafontaine abgestochen hat. wie hiess die frau? und was macht sie heute? ist sie immer noch in einer geschlossenen oder läuft sie frei rum? damals sagte sie sie wollte rau töten (war auf der selben verstaltung wie oskar), weil der staat in unterirdischen zentren ihre gedanken liest, und dass sie nur deshalb oskar angegriffen habe, weil an rau kein rankommen war. adelheid war ihr name, glaube ich mich gerade zu erinnern. naja, wunderte mich so, was ich als angsteinflössend empfinde, zwei ältere frauen, die wahrscheinlich keinem irgendwas antun, wahrscheinlich sogar nette omas oder so. und stieg aus. und die beiden stiegen auch aus. und plötzlich auf der rolltreppe eingekeilt zwischen den beiden. vor mir die stumme mit dem starren blick, hinter mir die seitenrausreisserin. und sah schon vor meinem inneren auge wie es wäre, wenn die beiden ihre messer zückten und mich von beiden seiten abzustechen begännen. doch da sah ich mein gesicht in einem spiegel (war noch immer auf der rolltreppe zwischen den beiden) und dachte: "999 von 1000 leuten empfinden bestimmt mein gesicht als eindeutig angsteinflössender als die gesichter dieser beiden grauen frauen."

 

avare, 200610.02.2010 09:41

will etwas zu einem begriff schreiben, der mir seit ca. acht tagen durch den kopf schwirrt. beginne damit wie der begriff damals (das wort "damals" bringt seltsame assoziationen in mir hervor. verwendete es in diesem fall nur um an einen tag zu erinnern, der ca. acht tage (letzte woche donnerstag oder mittwoch, bin nicht ganz sicher, glaube zwar mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit, dass es donnerstag war, könnte aber auch mittwoch gewesen sein) zurückliegt, doch (fast) immer wenn ich das wort "damals" höre (manchmal auch wenn es von mir selbst verwendet wurde) kommen bilder des zweiten weltkriegs in meinen kopf: nächte im bunker, dunkelheit und bomben(blitze), adolf, auschwitz und all der kram (wie respektlos von mir diese dinge in den worten "all der kram" zusammenzufassen.) - vermutlich kommen diese assoziationen nur von einer doku-reihe im zdf, die guido knopp (war noch vor seiner hitler-manie mit all den hitler-reihen, wie "hitler", "hitlers helfer", "hitlers helferhelfer", "hitlers frauen", "hitlers rezepte" etc. pp. (gibt es eigentlich ein buch mit hitlers lieblingsrezepten? bestimmt. gibt alles von hitler. falls es es nicht geben sollte, wäre es eine gute idee: ein vegetarisches kochbuch mit hitlers lieblingsrezepten. (ja, ja, hitler, der killer aus braunau, war (vielleicht der erste bekannte) vegetarier.))) vor einigen jahren zu verantworten hatte, die den titel "damals" trug.) (ich übertreibe es doch mit den klammern, oder? (kann meinem gedankengang wer folgen? (ich selbst bin mir jedenfalls nicht mehr sicher, ob all die klammern richtig gesetzt sind.))) zurück zu dem moment als der begriff "selektive wahrnehmung" (ich glaube, dass ich den begriff bisher noch gar nicht erwähnte - oh, oh! - ein text zu einem bestimmten begriff und derselbige konmt erst so spät im text.) in meinem kopf wie ein kaputtes neon-zeichen zu flackern begann: also, war (wahrscheinlich) donnerstag letzter woche (vielleicht war es aber auch mittwoch) nach der arbeit beim optiker um meine brille no. 1 reparieren zu lassen, denn am vorherigen freitag (von heute aus gerechnet vor genau zwei wochen.) war auch meine brille no. 2 kaputtgegangen, so dass ich seitdem nur noch brille no. 3 (mehr brillen habe ich nicht.) oder kontaktlinsen tragen musste (was ich zu der zeit in der regel tat, da weder die gläser der brille no. 3 die korrekte stärke haben, noch sie als solche mir (noch) gefällt) - meine brille no. 1 war übrigens schon eine ganze weile reperaturbedürftig gewesen, da ich jedoch auf brille no. 2 zurückgreifen konnte, hatte ich die reparatur der brille no. 1 auf die lange bank geschoben. erst als auch brille no. 2 entzwei war, war eine reparatur der brille no. 1 unausweichlich, da ich nicht andauernd kontaktlinsen tragen wollte (trage sie sonst nur gelegentlich.), dies erledigte ich letzten donnerstag (oder mittwoch, wie bereits ausgeführt). (ich scheine diese klammerei mit absicht zu forcieren. (zumindest kommt in mir selbst dieser eindruck auf.)) (gab übrigens auch einen erzählenswerte begebenheit beim optiker, doch die lasse ich jetzt mal weg) will zur "selektiven wahrnehmung". war also beim optiker, brille no. 1 wurde an ort und stelle repariert, und ich wieder draußen. da kam ein gedanke in mir auf: "ruf doch mal h. (eine meiner schwestern (eine anmerkung zum besseren verständnis von mir)) an. bist in der nähe, könntest mal kurz vorbeischauen." tat dies. sie sagte am telefon, dass ich etwas vom merzenich (eine örtliche bäckerei-kette) mitbringen könnte. ich wusste nicht, wo denn da ein merzenich war. sie sagte: "direkt an der ecke, wo du stehst." und ich erwiderte: "wirklich? war mir noch nie aufgefallen… ist das ein merzenich? da ist ein bäcker, klar, aber dass es ein merzenich ist habe ich nie bewusst wahrgenommen." - und so war es. bin sicher hunderte, vielleicht tausend mal vorbeigegangen, dennoch hatte ich die existenz der bäckerei dieser bäckerei-kette an diesem ort nicht bewusst wahrgenommen. so kam der begriff "selektive wahrnehmung" vor ca. acht tagen in meinen kopf. dachte seitdem einige male über diesen begriff nach. und glaube jetzt, dass ich früher wohl der annahme verfallen war, dass "selektive wahrnehmung" etwas bewusstes (im sinn von "nur sehen, was man sehen will") sei (zumindest glaube ich jetzt, dass ich es fast ausschließlich in diesem sinne verwendete.), jetzt hat sich mein verhältnis zu diesem begriff geändert: "selektive wahrnehmung" ist wohl meistens unbewusst. jeder sieht etwas anderes. sind lediglich verschiedene facetten ein und derselben sache. nichts, was einen rückschluss über den "wahrheitsgehalt" der jeweiligen sicht zulässt, keine wahrnehmung ist zwangsläufig "wahrer" (bzw. "unwahrer"), es ist der fokus eines jedes menschen (bedingt durch (frühere) erfahrungen, interessen, veranlagung und sonstige faktoren) der ein anderer ist.

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ps: bevor jemand sich (oder mich) fragt, warum ich denn an einem stinknormalen freitag um diese uhrzeit im bett sein kann, will ich diese frage in vorhinein beantworten: hab donnerstag und freitag (also heute) urlaub genommen, da sich am gestrigen tag der beginn meiner postnatalen existenz jährte.

 

avare, 200530.12.2009 10:07

kam vor einiger zeit zu der (von mir als solche empfundenen) erkenntnis, dass denken einen (zumindest mich) letztendlich nicht weiterbringt. wollte weniger denken, spontaner sein, mehr auf meine gefühle hören. doch dies ist gar nicht so einfach. sich zu denken, dass das denken nicht gut ist, dass man (ich) es einschränken sollte, ist ein widerspruch in sich. spontaneität kann nie am ende eines denkprozesses stehen. entweder ist man spontan, oder man ist es nicht. man (zumindest ich) kann sich nicht für sie entscheiden. letztenendes ist echte spontaneität nur möglich wenn man im reinen mit sich ist, sich, die eigene persönlichkeitsstruktur, die dinge, die einen ausmachen, nicht nur akzeptiert oder sogar nur toleriert, sondern lebt. eins ist mit sich. wie kann man dies erreichen? gute frage, nächste frage. nein, ist unmöglich zu beantworten. ist wohl bei jedem anders, so wie wohl jeder eine eigene persönlichkeitsstruktur hat. so, wie weiter? keine ahnung. vielleicht ganz gut so. lasse es auf mich zukommen. das war’s. wünsche allen, die dies lesen, ein schönes leben.

 

avare, 200527.10.2009 16:15

kam vor etwa einer halben stunde nach hause. war heute das zweite mal in meinem leben in einem privaten wettbüro. da kann man aber auch charaktere sehen. in etwa wie leute aus büchern von charles bukowski. wirklich viele kaputte typen. wenn es einen nicht so runterziehen würde, könnte man da auch stundenlang sitzen und die männer beobachten. (hab übrigens einen tipp abgegeben. 6 spiele. müssen alle korrekt sein. gäbe dann 1756 euro zurück. (bei einem einsatz von 6 euro.) ich spiele nicht viel. jedenfalls nicht mit hohen einsätzen. verbuche jeden einsatz gleich als verlust und kann mich dann meistens auch über kleine gewinne freuen bzw. bekümmert es mich nicht, wenn ich eben nicht gewinne. (wen es interessiert: hab in 2005 bisher ein minus von 232 euro. (hab eine excel-mappe in die ich alle einsätze und gewinne eintrage.) kann ich verkraften. )) desweiteren hab ich gesehen, dass das lied von james blunt und meine übersetzung eingestellt wurde. (hörte das lieb gestern ungezählte male. bestimmt 20 mal. während der hinfahrt (etwa auf mitte des weges.) stellte ich meinen player auf "track wiederholen", änderte während der rückfahrt nichts daran, so dass ich während der gesamten heimfahrt den song hörte. gestern übersetzt. und dann vordatiert. war eingestellt als ich nach hause kam. meine übersetzung gerade ein wenig bearbeitet. und noch was anderes. eben versucht meine kontaktlinsen rauszuholen. gelang mir bei einer. bei der anderen nicht. jedenfalls hab ich sie nicht in den fingern gehabt. im auge scheint sie aber auch nicht mehr zu sein. hoffe ich mal, dass sie nach hinten durchgerutscht ist.

 

avare, 200523.10.2009 22:50

er: ich bin hier geboren und aufgewachsen.

ich: ja?

er: ich sage dies nur, weil sie dir etwas anders gesagt hat.

ich: so? und wo ist hier? frankfurt?

er: ja. mein ganzes leben in frankfurt. aber sterben werde ich nicht da. das habe ich mir ganz fest vorgenommen.

ich: ich auch. will auf den malediven sterben.

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etwa eine woche her. fühle mich nicht gut. die erinnerung an den kurzen dialog kam mir gerade in den kopf. tippte ihn. kurz vor eins. muss ins bett. egal, sterben werde ich nicht hier…

gute nacht.

avare, 200517.10.2009 16:06

heute früh im bus.

wartete heute früh (am clodwigplatz) fast eine halbe stunde auf den bus. (es wird gebaut. u-bahn-tunnel, um präzise zu sein.) dann endlich kam er. ich drin. natürlich kein sitzplatz. und scheißvoll. hätte ich wenigstens musik dabeigehabt, hätte ich mich wenigstens geistig entfernen können. konnte ich aber nicht, da musik zuhause. aber wenigstens bekam ich folgenden dialog mit:

sie 1 (spricht mit akzent, osteuropäisch, genauere zuordnung nicht möglich): sie ist krank. zweite operation.

sie 2: Was hat sie denn?

sie 1: tumor.

sie 2: wo?

sie 1: in den brüsten.

sie 2: und? gute prognose?

sie 1: ja….aber 18 jahre…

schaue nach links. will “sie 1″ und “sie 2″ auch mal sehen. beide mittelalt (ca. 45-55). “sie 1″ hat einen kinderwagen. kann nicht in den kinderwagen sehen. auch unbedeutend, glaube, dass der kinderwagen nichts mit dem thema zu tun hat. die beiden reden weiter. alles superkurz. wobei “sie 1″ wenigstens einige sätze bildet. bekomme mit, dass sie polin ist. (sie erzählt, dass einer der beiden ärzte pole ist.) denke mir, dass es um ihre tochter oder eine verwandte geht. (höre die sorge in ihrer stimme. keine sorge wie für eine bekannte. echte sorge, wie für das eigene kind.) wundere mich, dass jemand so früh brustkrebs bekommt. verbinde brustkrebs mit alten frauen. “sie 1″ will “sie 2″ die visitenkarte ihres arztes zeigen. “sie 2″ will sie nicht sehen. sagt, dass sie jetzt raus muss. “sie 1″ gelingt es gerade noch ihr die visitenkarte zu zeigen bevor “sie 2″ aussteigt. (denke in diesem moment, dass “sie 1″ und “sie 2″ sich gar nicht kennen. (hatte zuvor angenommen, dass die beiden flüchtige bekannte wären.) “sie 1″ hatte sie wohl gerade erst angesprochen. eine junge türkische mutter mit kinderwagen in begleitung einer anderen jungen türkin steigen ein. “sie 1″ muss die position ihres kinderwagen verändern, dass auch der andere kinderwagen platz hat. sehe erstmals in den kinderwagen. ein hund. graues haar. bis zum hals zugedeckt mit einer rosa decke. (denke: “um sie ging es die ganze zeit.”) sie streicht dem hund über den kopf. kaum eine reaktion. ganz vernebelte augen, der hund scheint blind zu sein.

sie 1 (zur jungen mutter): sie ist krank. zweite operation.

keine reaktion von der jungen mutter.

beginne über liebe und den tod nachzudenken. plötzlich bin ich da. will gerade aussteigen, da höre ich: “orhan, orhan, orhan!” bin irritiert. war ganz in gedanken. schaue mich um. und da sehe ich die ruferin, die an der bushaltestelle steht…

avare, 200511.10.2009 18:34

zu heute: akzeptabler tag, nicht so gut wie gestern, aber auch nicht schlecht. lief den ganzen tag in einem verwaschenen poloshirt rum (fast neu, war die zweite wäsche. irgendetwas hat abgefärbt.), hat mich schon geärgert, erstens weil ich das shirt echt mag, zweitens, weil ich erst nachmittags bemerkte, das es bläuliche verfärbungen hatte (hätte ich wohl alleine noch später bemerkt, wurde darauf angesprochen. da fällt mir gerade was ein. schon ein paar wochen her:

sie: wer bügelt deine hemden?

ich: niemand. ich denke, das sieht man.

sie: ja.

avare, 200509.10.2009 07:23

träumte heute nacht etwas. dachte die ganze zeit im traum: “so etwas hat man noch nie gesehen! das wäre doch eine unglaubliche tv-serie.”

jetzt bin ich wach. und hab keine erinnerung an den traum. nur an den gedanken, dass es außergewöhnlich und ungesehen wäre.

erinnert mich an einen regisseur. bin nicht sicher welcher. glaube truffaut, könnte auch ganz wer anders gewesen sein. dieser regisseur hatte einen wiederkehrenden traum. konnte sich aber nie an seinen traum erinnern. irgendwann gelang es ihm aber mitten im traum aufzuwachen und notizen zu machen. als er am nächsten morgen aufwachte war die erinnerung an den traum - wie jedesmal - wieder weg, doch er erinnerte sich an seine notizen, voller spannung sah er nach, was er wohl in der nacht aufgeschrieben hatte. und was stand da geschrieben? “boy meets girl.” das war alles.

avare, 200508.10.2009 05:23

etwas scheine ich wirklich zu beherrschen. intensive gefühle in anderen zu erwecken. meistens negative. dabei bin ich meistens unglaublich distanziert. mir nicht erklärlich wieso andere so reagieren können. ich hasse niemanden. nicht einmal meinen alten taekwondo-lehrer “meister kim” (was nicht bedeutet, dass ich es ihm nicht gönnen würde von einen achtachser überfahren zu werden. würde es ihm durchaus gönnen.) - rationalisiere das allermeiste sofort oder zumindest zeitnah.

avare, 200506.10.2009 19:09

bin heute wieder so müde. doch nicht so besonders, bin ich (zumindest zeitweilig) bestimmt an zwei bis vier tagen jeder x-beliebigen woche. egal. ein blah blah blah post für heute wird jetzt dennoch geschrieben.

wo anfangen? am morgen, bietet sich vielleicht an. mein wecker ging um 05:48 los. stand auf und stellte ihn aus. also nicht auf sleep, dass ich noch ein paar minuten gehabt hätte. legte mich wieder ins bett. als ich dann wirklich aufstand war es 07:41 uhr. duschte, zog mich an, setzte mich an den pc, trank kaffee, rauchte ein paar zigaretten und stellte einen post, den ich nachts um 02:02 h geschrieben hatte, auf privat. anschließend verließ ich meine wohnung. könnte auch einiges zum heutigen tag schreiben, doch mir ist irgendwie nicht danach. dies ist auch nicht der eigentliche grund warum ich diesen post schreibe. will vielmehr die nächtliche eintragung wieder öffentlich werden lassen, daher jetzt diese, die komplementär zu “a. ist tot” sein soll.

beginne. wer ist a.? a. ist mein ungeborener bruder. dachte schon einige male über ihn nach, obwohl er nie lebte. vor meiner geburt hatte meine mutter eine fehlgeburt. ein junge, sollte den namen a. tragen, wie meine beiden großväter (mütterlicherseits und väterlicherseits, hatten zufällig denselben vornamen), doch im siebten monat gab es komplikationen. diese bestanden darin, dass sich die nabelschur um seinen hals wickelte und er schon bei seiner geburt verstorben war. viele meiner gedanken ihn betreffend drehen sich eigentlich um mich, meine überlegungen gingen meistens in die richtung, wie mein leben gewesen wäre, wenn ich einen bruder, speziell einen großen bruder, gehabt hätte. hab mir auch manchmal ausgemalt was aus ihm geworden wäre, doch eigentlich ging es mir meistens in erster linie um mich, darum was mir verloren ging. hätte gerne einen großen bruder gehabt. hab nur jüngere geschwister, und diese sind alle schwestern. nichts gegen schwestern, doch ein großer bruder hätte mir (vielleicht) vieles gegeben, was mir in meinem leben fehlte, dinge wie oríentierung, fokus, etc. hätte mir vielleicht auch ein vorbild sein können, wenn auch vielleicht nur ein schlechtes, aber immerhin ein vorbild. so hatte ich nie ein vorbild. hätte natürlich versuchen können selber ein guter großer bruder sein zu wollen, doch dies ist mir wohl misslungen. habe es manches mal versucht. hatte auch immer wieder ein gutes verhältnis zu zumindest drei meiner vier schwestern, aber auch phasen wo ich überhaupt kein verhältnis hatte. und mir wurde auch von diesen drei schwestern irgendwann einmal gesagt, dass ich für sie ein vorbild sei, doch zu so großen gefühlen bin ich selten fähig und kann auch wirklich nicht mit komplimenten umgehen. so dass ich dann oft gerade in diesen momenten die distanz vergrößerte. vielleicht ist manches hiervon vergangenheit. vielleicht bin ich offener fremden und bekannten gegenüber. vielleicht sind meine nahezu autistischen momente seltener als sie schon waren. doch zu oft ziehe ich mich doch zurück, wenn ich glaube, dass andere zuviel von mir erwarten oder ihnen zuviel an mir liegt. will ich ändern, wirklich, aber gar nicht so einfach.

keine lust weiterzuschreiben. breche hier ab.

avare, 2005 00:17

ein fakt. a. ist tot. lebte nie. vieles (wenn nicht alles) wäre anders verlaufen, wenn a. gelebt hätte. hätte ein korrektiv, wenn nicht gar ein vorbild, gehabt. so hatte ich dies nie.

eine meiner 4 schwestern hatte heute geburtstag. (sollte ich mich vertippen, so sei es so, vielleicht korrigiere ich die fehler später. jetzt tippe ich einfach nur.) gerade nach hause gekommen. lief von der venloer str. nach hause. stinke jetzt nach schweiss, wohl von dem heimweg, so viel tanzte ich auch wieder nicht.

mein augenarzt hat mir einmal gesagt, dass ich die linsen nicht länger als 8 stunden drinlassen sollte, weil ich zu wenig tränenflüssigkeit habe. jetzt habe ich sie schon seit 19 stunden drin. sollte schnell machen. linsen raus und ins bett.

schleppte b. bis an die venloer str., setzte ihn dann in ein taxi. und lief von da zu fuss nach hause.

keine lust zu tippen. werde jetzt schlafen. wenn morgen noch etwas da ist schreibe ich dann vielleicht mehr.

einige stichworte für mich:

g.’s glänzende augen (grund: geld)

gedanken zu b.

do.’s aussage zu sozialen kontakten

vielleicht auch etwas zu d.

genug.

avare, 200530.09.2009 19:28

drei frauen, zwei männer, manche rauchen, manche nicht. das gespräch läuft schon. einige themen wurden angesprochen. steige kurz vorm ende ein.

frau 1: drück die zigarette richtig aus. deine letzte zigarette hab ich ausgedrückt. du drückst sie nicht richtig aus und dann brennen sie weiter bis auf den filter und es qualmt.

mann 1: wirklich? hab ich gar nicht bemerkt. danke.

frau 1: du läufst so durch leben. (legt ihre flachen hände an ihre schläfen. deutet scheuklappen an.)

mann 1: aber nicht doch. ich bin doch so. (öffne meine arme, als wollte ich die welt umarmen.)

mann 2: nein, du hörst dir alles an. glaube auch, dass du zuhörst, aber dann sast du: “Schön.” und bleibst bei deiner ursprünglichen meinung.

mann 1: wirklich?

frau 1: könnte wohl was dran sein, wenn es alle sagen…(sie drückt auch meine zweite kippe aus. (diesmal sehe ich es auch.))

mann 2 (bezugnehmend auf das ausdrücken der kippe): eine strenge frau.

mann 1: hier sind alle frauen ziemlich streng.

frau 2: ich nicht.

mann 1: weniger als die anderen. aber du hast auch etwas strenges.

mann 1 (zu mann 2): ist nicht nur g., die streng ist.

mann 2: wie? g. ist nicht streng?

mann 1: nein, sie ist streng. aber nicht nur sie. ist bei den anderen nicht so ausgeprägt.

[die letzte passage zwischen mann 1 und 2 wurde im aufbrechen gesprochen und wohl nicht von jedem gehört.]

avare, 200514.09.2009 18:09

im raum ca. 7 frauen und ich.

gespräch läuft bereits. themenwechsel.

frau 1: habt ihr damals mitbekommen was süleyman demirel gesagt hat?

ich: nein.

frau 1 macht den ehemaligen türkischen ministerpräsidenten nach.

ich: ich hab kein wort verstanden.

frau 1 macht den ehemaligen türkischen ministerpräsidenten ein zweites mal nach.

ich: wieder kein wort verstanden. kannst du es nochmal sagen, aber langsamer und ohne seinen dialekt.

frau 1: “wenn ihr alle landeskinder seid, was bin ich dann? ein hurensohn?” er hat das echt gesagt. war damals im fernsehen und in den zeitungen. ist aber schon lange her.

ich: so, kann ich nicht so beurteilen. ich mag keine türkischen politiker. ich kenne mich da auch nicht so gut aus. die einzige türkische politikerin, die ich mochte war tansu, tansu ciller, nicht wegen ihrer politik, wegen ihrem typ. ich mag arrogante frauen, die wissen, was sie sind, die dies auch zeigen.

frau 2: ich komme gleich und erwürge dich. (steht scherzhaft auf und kommt mit händen in würgehaltung auf mich zu.)

ich: nicht ihre poltik, ich mochte, mag, die frau, allgemein den typ. stehe halt auf arrogante frauen, keine ahnung wieso.

(jetzt gab es einen wortwechsel zwischen zwei oder drei frauen, ob man auf arrogante frauen steht, wenn die mutter so ist, oder wenn die mutter genau das gegenteil ist.)

frau 3: heute früh in der u-bahn meintest du aber, dass die merkel auch ähnlich wie die ciller ist. die frisur, haarfarbe und das make-up.

ich: der vergleich kam aber von dir. aber stimmt, sieht ihr auf dem “ein neuer anfang”-plakat sehr ähnlich. kann die merkel aber so was von nicht leiden. hat auch nichts von tansu, nur auf dem plakat, trifft gar nicht die echte merkel. sieht auf dem bild sogar ziemlich sympathisch aus. steckt wohl sehr viel arbeit in dem foto. da hat es jemand ziemlich lange bearbeitet…ich mag die ganze art der ciller. wie sie geht und spricht und so. stehe halt auf den typ.

gespräch ging etwas weiter, aber ich breche hier ab.

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nachtrag:

frage: ist “arrogant” ein euphemismus für “dominant”?

antwort: nein. “arrogante frauen” sind selbstbewusste frauen, die wissen, wer sie sind, die sich ihrem wert bewusst sind, die dies ganz natürlich austrahlen. nichts gezwungenes oder aufgesetztes. dies bedeutet nicht, dass sie keine schwächen haben können, doch diese zeigen sie halt nicht in der öffentlichkeit. privat ist dies nicht so. ich kann mit niemanden zusammen sein, die “bossy” ist. lasse mich nicht herumkommandieren, kommandiere aber auch nicht herum.

avare, 200511.09.2009 06:51

heute ist der 11. september. kann mich an den 11. september 2001 erinnern. ziemlich gut sogar. arbeitete damals abends. war irgendwann gegen 11 oder 12 aufgewacht (inzwischen die angewohnheit des langen schlafen völlig abgelegt. stehe in der regel früh auf, unabhängig davon wann ich schlafen gehe und ob ich früh aufstehen muss. auch wenn dies bedeutet, dass ich in manch einer nacht mit drei stunden schlaf auskommen muss.), musste ca. 16:30 aus dem haus. gegen 14 uhr setzte ich mich vor den fernseher um mir einen italienischen mafia-film ansehen, den ich ein paar tage zuvor aufgezeichnet hatte. (ich mag mafia-filme. irgendwie berührt mich die thematik. begriffe wie “treue”, “ehre”, “familie”, “verrat”, “wir & die” etc. haben mich schon solange ich denken kann berührt/beschäftigt. “der pate” teil 1 und 2 sind beide in der top10 meiner all-time-favorites.) um 14:55 wollte ich mal kurz auf die toilette. schaltete den videorecorder aus. und ich sah das “breaking news”-insert auf cnn (wenn man denn videorekorder ausschaltet sieht man auf dem fernseher den kanal auf den der videorecorder eingestellt ist. war zu dem zeitpunkt cnn.) - sah ein rauchendes hochhaus. das wtc. es war “cnn usa” und nicht “cnn international” (manchmal übernimmt “cnn usa” wenn etwas außergewöhnliches geschehen ist, war z.b. auch letzte woche für ein paar tage so, als die berichterstattung über “katrina” auf dem höhepunkt war.) - die reporter spekulierten was wohl geschehen sei. sie dachten, ein kleiner privatflieger wäre in einen der tower geflogen, dass es ein großes passagierflugzeug gewesen sein konnte kam ihnen (und mir auch) gar nicht in den kopf. ein paar minuten später sah ich “live” das zweite flugzeug in den anderen tower fliegen. war danach stundenlang auf den bildschirm fixiert. sah die türme zusammenstürzen. war alles extrem, und unglaublich intensiv, obwohl es nur tv war. später musste ich mich doch vom fernseher wegreissen, musste zur arbeit. als ich da war, war ich überrascht. eine person war schockiert. der rest hatte entweder keine ahnung was geschehen war oder war (nachdem er es erfuhr) maximal neutral. einige freuten sich offen. hatte so eine reaktion nicht erwartet.

avare, 200510.09.2009 09:11

träumte diese nacht. eigentlich träume ich wohl jede nacht. doch in den letzten monaten erinnere ich mich nur bruchstückweise an die inhalte meiner träume, nur fetzen und einzelne bilder. aus meinem letzten traum ist mir aber eine fast komplette szene in erinnerung geblieben:

zwei gruppen menschen. eine gruppe auf einer brücke. die andere unten. die leute auf der brücke bespuckt und bewirft die menschengruppe unten mit gegenständen. ich bin auf der brücke. spucke und werfe aber nicht. dann verlasse ich die brücke und gehe zu den menschen unten. hab plötzlich eine zitronengelbe jogginghose und eine hellgrüne bomberjacke an. ich brülle hoch. fordere die leute auf der brücke auf doch runterzukommen. von da oben ist es einfach. sollen sie doch runterkommen. ich nehme es mit jedem einzelnen auf. die leute auf der brücke schauen sich gegenseitig an und um. dann leert sich die brücke.

avare, 200526.08.2009 23:02

sie: dir ist klar dass wir beide hier als so eine art unruhestifter angesehen werden?

seine schultern und seine oberlippe gehen nach oben.

sie wirft ihren kopf in den nacken. ein lächeln/grinsen auf dem gesicht, irgendwo zwischen revoluzzertum, einsicht in das unausweichliche und belustigung. ihr gesicht fällt nach vorne, in ihre wartenden hände, dann fällt der kopf wieder zurück in den nacken.

avare, 200525.08.2009 15:15

sah mal "boulevard bio". schon einige jahre her. thema der sendung war der tod. unter anderen waren zwei mitglieder einer sekte eingeladen, die behaupteten unsterblich zu sein. soweit ich mich erinnere, behaupteten die typen, dass man nur sterben würde, wenn man den willen zum leben verlieren würde.

biolek fragte den typen, ob denn schon mitglieder der gruppe gestorben seien.

"ja." antwortete einer der beiden gäste.

auf bioleks nachfrage, wie denn dies zu erklären wäre, entgegnete er: "ihnen fehlte der glaube. wenn man nicht wirklich daran glaubt nicht sterben zu können, kann man sterben."

avare, 200523.08.2009 17:35

heute:

sie: sag mal orhan (so heisse ich übrigens, hab den namen noch nie gemocht.), bist du eigentlich moslem?

ich: du fragst mich, ob ich moslem bin? (denke: du kennst mich doch schon eine ganze weile. wie kommst du aus dem nichts auf so eine frage? worauf willst du heraus?)

sie: ja, darf ich doch, oder?

ich: nun, ich bete nicht, ich faste nicht, ich esse schwein - und alkohol trinke ich auch, wenn man davon absieht, bin ich vielleicht moslem.

——–

13.08.2005 (in hurghada, egypt)

he: you’re muslim?

i: no.

he: christian?

i: no.

he (with a frown on his face): you don’t believe in god?

(a “vision” (have no better term, i really saw and heard it as if another person was in the room.) shoots through my mind: i’m seeing peter scholl-latour. he speaks: “sag nie einem moslem, dass du nicht an gott glaubst. passt nicht in sein weltbild. jemand, der an nichts glaubt ist weniger als ein tier.” - this vision took less than a second. usually i tend to think in the language i’m speaking. in that moment i thought in german. maybe because the vision of scholl-latour (great, isn’t it? others “see” jesus oder maria or at least a “saint”. all i “see” is peter scholl-latour.) was in german.)

i: i’m not sure. i guess i believe in god. two of my uncles were imans. one of them a really famous one. so i learned a bit about islam as a child. i also had eight years of catholic religion at school. and i read a lot. i did a lot of reading in my life. i probably believe in god, but probably in no system known.

——–

now

my definitive answer is: no, i’m not a muslim. and no again, i don’t really believe in god.

the same in german: nein, ich bin kein moslem. und nochmal nein, ich glaube nicht wirklich an gott. (da lasse ich mir ein kleines hintertürchen offen. vielleicht gibt es so etwas wie gott doch. bestreite die existenz gottes nicht. glaube aber auch nicht an sie.)

avare, 200530.07.2009 10:27
mittwoch morgen. haltestelle ebertplatz. mein mp3-player spielt wieder verrückt. schaltet sich einfach aus. ich schalte ihn wieder an. er schaltet sich wieder aus. plötzlich höre ich einen typen schreien. kann mich nicht mehr erinnern, ob ich ihn schreien hörte, während die musik gerade lief, oder in einem moment als er sich wieder ausgeschaltet hatte. drehe mich um. der typ steht genau hinter mir. kein meter zwischen uns. er ist wütend. etwa so groß wie ich, ziemlich dünn, sein haar ist etwas länger, überlege kurz woher er sein könnte, "vielleicht italien" ist mein gedanke in dem moment, an seiner sprache kann ich nichts erkennen, hat keinen akzent. seine worte worte richten sich an ein mädchen, ca. 23, sieht eigentlich zu gut für ihn aus, kann mich an ein dunkelgrünes oberteil erinnern, aber nicht mehr was, shirt, jacke, irgendwas, aber dunkelgrün. an der station stehen sehr viele menschen, bestimmt hundert. keiner tut etwas. ich überlege kurz, ob ich dazwischen gehen soll. entscheide mich aber erstmal dagegen. solange er nicht versucht sie zu schlagen, muss sie schon alleine damit fertig werden. er schreit: "was heisst du willst nichts mit mir zu tun haben?!? vor einem jahr war das aber anders! da wurden deine beine ganz weich!" später schreit er noch etwas von einem sex-shop, in den sie unbedingt wollte, obwohl er es nicht wollte. war schon peinlich für die beiden. trennungen sind schon schlimm. liebe und hass sind wirklich die enden ein und derselben skala. nur wo liebe war (bzw. möglich gewesen wäre) kann hass sein.
avare, 200526.07.2009 21:28
als ich heute das fitnessstudio verliess, sah ich an der info zwei typen stehen. wohl leute, die sich anmelden wollten, oder so, hatte sie jedenfalls noch nie gesehen, waren auch in strassenklamotten. sah zuerst niemanden auf der anderen seite des tresens. als ich direkt an der info vorbeiging, sah ich eine der beiden neuen blonden trainerinnen (btw: hatte sie bestimmt zwei wochen nicht mehr gesehen. das mädel hat in der zeit einiges abgenommen; vielleicht will sie in dem job ein vorbild sein. steht ihr zudem gut.), sie sie war über etwas gebeugt und schrieb etwas, vielleicht einen termin für ein probetraining in den kalender, würde ich mal vermuten. als ich gerade durch die ausgangstür ging, hörte ich ein fröhlisches "tschüüüüs!", super-fröhlisch, fast schon aufgeputscht klingend. sie winkte auch. beim winken knickte sie die finger nach innen ab, dass die finger fast (oder tatscächlich) die handinnenfläche berührten. diese art des winkens fiel mir schon vor einigen jahren auf. mit mir als einzige mir bekannte ausnahme machen es nur frauen. ich hab mir diese winkweise auch von einem mädel abgeguckt und verwende sie auch fast ausschliesslich gegenüber frauen und dies meistens auch nur wenn ich fröhlich gestimmt bin.
avare, 200523.07.2009 09:41
gestern im kollegenkreis (3 leute hörten sicher mit, bei ca. weitern 3 bin ich mir nicht sicher) erzählte ich davon, dass ich mit 12, 13 selbstmordphantasien hatte. keine ahnung wieso. eine kollegen erzählte dann von ihren selbstmordphantasien, die sie allerdings schon mit 7 hatte. eigentlich waren es bei mir gar keine richtigen selbstmordphantasien. ich war überzeugt, dass ich meinen 12. geburtstag nicht erleben würde. keine ahnung woher ich diesen gedanken hatte. auch nicht ab wann, vielleicht seit ich 10 oder 11 war. doch ich erlebte meinen 12. geburtstag. dann war ich überzeugt, dass ich spätestens zu meinem 13. geburtstag sterben würde, doch auch diesen erlebte ich. als ich 13 war dachte ich: "aber 14 wirst du nicht! wenn es nicht von selbst passiert, helfe ich eben nach!" seltsam, was ich so in dem alter dachte. seit meinem 14. geburtstag bin ich irgendwie frei von angst, zumindest was den tod betrifft. manche menschen, die einen nah-tod-erfahrung hatten, verlieren nach dieser die furcht vor dem tod. ist bei mir ähnlich, obwohl es keine echte nah-tod-erfahrung war, doch empfand ich sie wohl so, war wirklich 100% sicher, dass ich jung sterben würde, doch als ich dennoch weiterlebte, war ich irgendwie frei von jeder art von todesangst.
avare, 200503.07.2009 02:16
mein drittes schuljahr hatte gerade begonnen, vielleicht 1-2 monate vergangen, da sprach mich morgens am schultor ein kleiner junge aus der ersten klasse an: "hallo du, ich hab keine freunde, willst du mein freund sein?" ich wusste nicht, was ich sagen sollte, war total baff, so sagte ich "okay." er freute und bedankte sich und sagte zum abschied etwas wie: "also, wir sind jetzt freunde?" und ich entgegnete etwas wie: "ja, ja." in den nächsten beiden jahren, die ich noch auf die grundschule ging, grüsste mich der kleine, wenn er mich auf dem hof sah. und ich grüsste zurück. sonst sprachen wir kein wort. kann mich auch nicht an seinen namen erinnern, weiss gar nicht mehr, ob ich ihn je kannte. dachte mir damals, dass er vielleicht mit seinem freund aus der dritten drohte, wenn andere ihn zu sehr piesackten, und fand den gedanken lustig.
avare, 200530.06.2009 18:56
ein schwarzer junge, wie ein junger xzibit, riesige lippen. einige schwarze haben schon was. männer wie frauen. vielleicht der bestaussehendste kerl, den ich je in einem film sah war, war der junge boxer in "la haine" (deutscher Filmtitel: HASS), der junge sah sowas von gut aus. mit einem solchen aussehen hat man schon gewonnen. egal was man ist oder drauf hat. keine ahnung wie der typ heisst. er hatte eine der drei hauptrollen: er, ein junger araber (dessen namen ich auch nicht weiss) und vincent cassel in der rolle eines jungen juden (diese figur ist wohl vom regisseur & drehbuchautor matthieu kassovitz ziemlich autobiographisch angelegt, sozusagen fast ein alter ego. matthieu kassovitz könnten manchen auch als schauspieler bekannt sein. er spielt den jungen in "die fabelhafte welt der amelie" (den der zerrissene fotoautomatenbilder sammelt) in den sich amelie verliebt.). "la haine" ist einer der wenigen filme, die ich mehrmals sah. einmal sah ich ihn zusammen mit mehreren anderen; im raum kreiste immer wieder ein joint, und irgendwann hörte ich jemanden sagen: "in dem film wird ja andauernd gekifft!" (was erstens stimmt und zweitens zu hysterischem gelächter im raum führte.) mein lieblingszitat aus "la haine": "wer ist der typ? kenn ich den? hab ich schon mal mit dem gekifft?" [notizen dienstag morgen im bus begonnen. mittwoch nachmittag auf einer parkbank neben einem sandkasten abgeschlossen. fast unverändert abgetippt.]
avare, 200521.06.2009 22:36

eine kollegin und ich, letzten donnerstag oder freitag, kann mich nicht mehr so genau erinnern, jedenfalls begannen wir plötzlich mit einem reaktionspiel. dabei bin ich 33, sie sogar schon 41, obwohl sie wirklich viel jünger rüberkommt, maximal wie 25 oder so, die gekicherei die ganze zeit etc. zu dem spiel: jemand hält beide hände in die luft, mit den handflächen nach oben, der/die andere legt seine/ihre hände mit den handflächen in die handflächen der/des anderen. sie hatte ihre hände oben, ich meine hände unten. derjenigen mit den händen unten muss seine hände wegnehmen und versuchen die hände der/des anderen zu treffen, bevor diese(r) seine/ihre hände wegziehen kann. bevor das spiel begann meinte sie: nicht zu feste! ich: vertrau mir! und schon trafen meine beiden hände ihre hände, die sich überhaupt nicht bewegt hatten. sie: jetzt ich!! sie sah mir in die augen. sie: du hast ja gar keine angst! ich: wovor denn auch? sie: so macht das keinen spass! und zog ihre hände weg. ————— hatte heute ein anderes "erlebnis", dass mich auf einen gedanken brachte: der satz "du hast ja gar keine angst!" und die folgende reaktion zeigt vielleicht mehr über die mann-frau-beziehung als gedacht (und gemeint) war. ergibt vielleicht im zusammenhang mit der folgenden beobachtung von heute einen weiteren sinn. saß in einem biergarten im schneidersitz auf dem stuhl. jemand sagte: sitzt du auch bei einem date so? ich (richtete mich spontan auf und saß gerade, sogar etwas zu gerade): nein, so! hätte es besser formulieren können, doch meine handlung und die zwei worte sagen auch etwas aus. wenn man (oder sage ich mal ‘ich’, will dies nicht unbedingt verallgemeinern) wirklich an jemandem interessiert bin, dann versuche ich einen möglichst guten eindruck vermitteln, wird sogar etwas verkrampft. man könnte dies auch angst nennen. angst davor, einen schlechten eindruck zu hinterlassen. angst davor, dass das eigene ich nicht gut genug sein könnte. wenn kein derartiges interesse da ist, fehlt auch diese angst.

avare, 200519.06.2009 10:48
rettete gestern im bus einen schmetterling. ziemlich groß und dunkelbunt (wo hab ich das wort "dunkelbunt" gelesen? las es mit sicherheit irgendwo. kann mich daran erinnern, dass ich es vor ein paar tagen las. kann mich aber nicht erinnern wo.), ziemlich bunt, aber dunkle farben, die grundfarbe war auch dunkel. ein ganz dunkles braun oder schwarz. hatte mich gerade hingesetzt. war die endstation. der bus fuhr nicht sofort los. ich war ziemlich platt, fühle mich aber gut, da ich gerade trainiert hatte und frisch geduscht war. (eine neue entdeckung von mir: schauma 48-stunden frische schampoo - toll, ist mein neues lieblingsschampoo, auch wenn ich nie auf 48-stunden komme und den wahrheitsgehalt des namens nicht überprüfen kann.) und hörte kettcar. da flog ein schmetterling gegen die scheibe. stand auf. versuchte den schmetterling mit beiden händen in der luft zu fangen. gelang mir nach ca. 10 sekunden mit meinem zweiten versuch. rannt zur tür des busses, die sich gerade schloss. als ich an der tür war, war der bus schon unterwegs. ein kleines mädchen schaute suchend in die luft. ihre mutter zeigte mit einem lächeln im gesicht auf mich. die tochter sah mich an. ich stand an der tür. in der höhle, die meine hände bildeten, krabbelte der schmetterling. als der bus an der nächsten haltestelle war verliess ich den bus, ging zwei schritte (weil ich nicht wollte, dass der schmetterling wieder in den bus fliegen könnnen sollte) und öffnete meine hände. er flog nach oben. und ausgerechnet heute hörte ich das neue album von kayahan. der titel des albums ist übersetzt "die chance des schmetterlings" - ist dies ein zeichen? oder ein unglaublicher zufall?
avare, 200517.06.2009 21:36
vor ein paar tagen, muss dienstag oder mittwoch gewesen sein, kam ein penner in die bahn und versuchte eine obdachlosenzeitung zu verkaufen (war übrigens diese woche extrem häufig, sah bestimmt vier oder fünf dieser typen in der bahn.), ich saß auf einem fensterplatz, mir schräg gegenüber saß eine frau in etwa meinem alter (obwohl ich mich nicht so sehe, für mich ist dieser typ mensch jahrhunderte weit weg. jedenfalls war die frau etwa 35 (vielleicht zwei jahre mehr oder weniger)) und als der obdachlose an ihr vorbeiging, zog sie sich extrem zurück, mit einem extrem gequälten blick in den augen und einem verzerrten gesichtsausdruck, dass der penner sie ja nicht streifte. dies geschah zweimal: als der mann das erste mal an ihr vorbeiging und auf seinem rückweg. (übrigens hat niemand eine zeitung gekauft, wie auch zu den anderen gelegenheiten, die ich diese woche miterlebte. gab auch keine spende. (das fucked mich übrigens total ab - dieser satz: "wollen sie eine obdachlosenzeitung kaufen, oder eine kleine spende?" - die obdachlosenzeitungen wurden erfunden, damit die penner nicht betteln müssen (auch wenn manche die zeitung nur kaufen um den leuten almosen zu geben), das "oder eine kleine spende" führt das gesamte konzept ad absurdum.) ich sagte zu der frau: "so schlimm ist es auch nicht!" - sie sagte etwas wie "WAS!?!?" - ich sagte: "so schlimm ist es auch nicht, müssen sich nicht so verhalten." - sie wusste was ich meinte, sagte aber: "DAS GEHT SIE NICHTS AN!!! ICH HABE MICH GANZ NORMAL VERHALTEN!!! KÜMMERN SIE SICH UM IHRE SACHEN!!!" - das "KÜMMERN SIE SICH UM IHRE SACHEN!!!" wiederholte sie drei bis fünf mal. ich hätte den typen zurückrufen sollen, um eine zeitung zu kaufen, dass er noch zweimal an ihr vorbeigehen musste. fiel mir aber in dem moment nicht ein.
avare, 200526.05.2009 08:14
fuhren gerade an einer haltestelle vorbei. ein alter mann saß auf der bank, neben ihm eine offene flasche bier. machte keine anstalten einzusteigen. wäre aber auch nicht so schnell gegangen, selbst wenn er gewollt hätte, denn seine beinprothese, die er (vielleicht wegen der hitze) abgenommen hatte, stand vor ihm.
avare, 200501.05.2009 20:44

habe ihn perfektioniert, meinen leeren blick. brauchte nur ein paar jahre dafür. früher, vor einigen jahren, als ich 18, 19, 20 war, sprach mich fast jeder penner, fast jeder schnorrer an. selbst wenn ich in einer gruppe von fünf oder sechs oder so war - ratet mal wen er ansprach? mich! mich! mich! doch dann kam ich auf den leeren blick. anfangs zufällig, weil ich während des gehens irgendwas dachte. später immer öfter mit absicht. perfektionierte ihn, meinen leeren blick. heute spricht mich so gut wie niemand mehr an, wenn ich durch die stadt gehe, kein penner, kein schnorrer, und auch nicht studis mit ihren clip-boards, die marktforschung machen, oder mir irgendwas verkaufen wollen. (ein tipp am rande: wenn dir jemand sagt, du kannst geld sparen, würg ihn ab, und geh weiter, oder leg auf, wenn du angerufen wurdest. niemand ruft/spricht dich an, damit du geld sparen kannst!!!) die sollen sich freuen, dass ich gewalt nur im fall von notwehr oder nothilfe anwenden würde und ihnen nicht ihre clip-boards quer ins maul schiebe! (sorry, ziemlich gewalttätige formulierung, aber eben nur eine formulierung, nur worte.) zurück zu meinem leeren blick, er ist mehr als ein blick, mehr als nur augen. motivationstrainer raten einem oft vor einem spiegel zu lächeln. normalerweise lächelt man, weil man einen grund hat. manchmal funktioniert es auch andersrum, wenn man lange genug lächelt, stellt sich ein glücksgefühl ein, auch wenn es nur ein fake ist. manchmal faked man sich auch selbst. manchmal wird sogar aus dem fake realität, zumindest wird sie als solche empfunden. vielleicht ist es ebenso mit meinem leeren blick. anfangs benutzte ich ihn, um mein wirkliches ich, das bereitwillig gab, zu verstecken. später ging mein leerer blick tiefer. weiss nicht, was ich will. will ich meinen leeren blick behalten und die leute nicht an mich ranlassen und mich selbst schützen? will ich offener sein und meine gefühle gegebenfalls für nichts und wieder nichts riskieren? will ich mitfühlen? will ich nur auf dem kürzesten weg von a nach b? die existenzen am rand unbeachtet lassen? wenn ich es wäre, der hilfe bräuchte, könnte ich auch keine hilfe erwarten, davon bin ich überzeugt. (der leere blick geht tief.)

avare, 200530.04.2009 11:50

bin weich geworden. oder alt. oder milde. vielleicht sollte ich es altersmilde nennen. begegnete in den letzten wochen einigen (für mich) neuen menschen. (vielleicht 50) und nur vier menschen werden von mir abgelehnt. zeige verständnis. versuche nett zu sein, ohne irgendwelche hintergedanken. reiche die hand. als ich 18 war hätte ich bestimmt 70% dieser menschen abgelehnt. war sehr voreingenommen, vorverurteilend und von mir selbst eingenommen. meine ichbezogenheit ist natürlich nicht verschwunden, bestimmt die hälfte meiner gedanken drehen sich immer noch um mich, doch mein arroganzpegel ist gesunken, halte mich nicht mehr so oft bzw. nicht so intensiv für etwas besseres. wenn es so weitergeht kann aus mir noch ein guter mensch werden. mein problem ist aber immer noch meine denkerei. denke zuviel. das problem ist erkannt. schon lange. als kind bat ich gott mich dumm zu machen, dass ich einfach so sein könnte wie die anderen. (schon dieses gebet verdeutlicht wie arrogant ich damals war.) heute bin ich offener. urteile fast nie mehr bevor ich mich mit dem menschen unterhielt. und auch danach ist auch noch eine veränderung meines urteils möglich. meistens urteile ich aber gar nicht mehr, was wohl auch das beste ist.

avare, 200527.04.2009 17:52

die wahrsagerin, die ich mal kannte. (hab überhaupt keine lust auf einen eintrag, aber versprochen ist versprochen, also) einige worte zu ihr: 1.) Sie ist tot. fast ein Vierteljahrhundert schon. es war ein autounfall. 2.) sie kannte mich schon vor meiner geburt, da sie eine freundin meiner mutter war. damals war sie noch keine wahrsagerin. 3.) im gegensatz zu dem anderen wahrsager, den ich kenne, war sie 100% echt. ich weiss nicht, ob sie übersinnliche fähigkeiten hatte, doch visionen hatte sie sicher. war selber bei einigen anwesend. sie kamen über sie, oft aus dem nichts. etwa beim essen. einmal sagte sie: “reich mir mal das salz.” und im nächsten moment lag sie zitternd auf dem boden und fremde stimmen sprachen aus ihr. als kind hatte ich manchmal angst vor ihr.

avare, 200526.04.2009 19:59

18:49 - beginne den tippvorgang (halte den zeitpunkt fest, um zu erkennen wie lange ich tippte)

müde. dachte viel heute. themen waren ziemlich elementar: schönheit, alter, mann & frau, sprache, tod, lebensentscheidung, visionen, schicksal und einiges mehr. kann mich nicht erinnern vor wie langer zeit meine gedanken so blitzten. blitz. blitz. blitz. alles flog. mal sehen was ich von meinen gedanken zusammenbringen kann. werde nicht versuchen ordnung in meine gedanken zu bringen. nur runtertippen, was ich in mir finde. will auch nicht versuchen chronologisch zu sein. würde mich überfordern. bin müde, körperlich und geistig, und hab auch keine wirkliche lust jetzt zu tippen, aber irgendwas sollte ich schon festhalten. wo anfangen? brauche einen ausgangspunkt. fange ich mal mit der schönheit an, hab sie schließlich auch an den anfang meiner themenliste gesetzt. sah heute viele schöne frauen, bestimmt ein halbes dutzend oder mehr, zuerst dachte ich diese zahl wäre erstaunlich hoch, doch dann wurde mir von mir selbst verdeutlicht, dass ich auch erstaunlich viele menschen sah, einige hundert, da sind sechs oder sieben schöne frauen vielleicht auch nicht so aussergewöhnlich. eine frau stach aus diesen halben dutzend schöner frauen heraus, seltsamer typ, auf keinen fall deutsch, konnte aber auch nicht einordnen woher. rötliches haar, passte aber nicht wirklich zum teint, der ziemlich dunkel war, dennoch vervollkommnete das haar das gesamtbild, auch wenn es gefärbt gewesen sein sollte. gibt so was, dass die chemische industrie die wahre natur hervorbringt. unglaubliche lippen, kann mich nicht erinnern jemals so perfekte lippen gesehen zu haben. alles perfekt. nicht nur die lippen. doch die lippen noch perfekter. sah sie aber nicht wirklich als frau, sondern eher wie ein kunstwerk. sie hatte riesige goldene ohrgehänge. sehr feine struktur, die gesamtausmaße der ohrgehänge sehr gross. dachte, dass sie vielleicht eine südamerikanerin war, vielleicht auch südeuropa, eher spanien denn italien, vielleicht auch semitisch, jüdin oder araberin, auch möglich, dass sie eine “zigeunerin” war (politisch korrekt ist wohl eher “sinti” oder “roma”, war aber nicht das wort, das mir durch den kopf ging. wüsste auch nicht, was der unterschied zwischen “sinti” und “roma” wäre.). jedenfalls aussergewöhnlich. bin nicht gut im beschreiben äußerer charakteristiken. habe irgendwie ein gefühl für schönheit. kann es nicht in worte fassen. - anderes thema. dachte über zwei menschen nach, die ich als kind kennenlernte. zwei “wahrsager” oder wie immer man diesen “beruf” bezeichnen mag. ein mann und eine frau. zuerst dachte ich an den mann, keine ahnung wie ich auf ihn kam. vielleicht, als ich über lebensentscheidungen nachdachte. einmal sprach ich mit ihm, mag ca. 15 jahre her sein. er hatte damals gerade seinen “seriösen” beruf endgültig aufgegeben, um sich zur gänze auf die “wahrsagerei” zu konzentrieren. wir saßen zusammen. die anderen personen hatten gerade den raum verlassen. wir waren allein. und ich fragte ihn, wieso er sich gerade zu diesem zeitpunkt entschieden hätte alle sicherheit über bord zu werfen und nur noch als wahrsager zu arbeiten. er erzählte zuerst etwas davon, dass er es nicht ertrüge, wenn irgendwer ihm sage, was er zu tun habe. er wäre jetzt in einem alter (er war zu dem zeitpunkt etwa mitte 40), dass er erkannt habe, dass er in seinem restlichen leben niemandes befehl mehr befolgen werde. bis zu seinem tod werde er jede seiner entscheidungen, jede handlung und auch jeden fehler selbst verantworten. dann änderte sich seine argumentation in gewisser weise. er hielt seine arme etwas vor. deutete mit seinen augen auf seine arme. dann streckte er den einen arm etwas und sagte: “Dies ist ein Weg.”, er nahm den arm wieder in die ausgangsposition und streckte den anderen arm etwas und sagte: “Dies ist ein anderer Weg.” - er brachte auch den zweiten arm wieder in die Ausgangsposition - “Es besteht keine Verbindung zwischen diesen beiden Wegen. Niemand kann einmal auf dem einen und dann auf dem anderen Weg gehen.” - er streckte wieder einen arm und sprach dabei die folgenden worte: “Dies ist mein Weg. Es gibt kein zurück.” - irgendwie verstand ich ihn. finanziell hatte sein seriöser beruf schon lange keinen sinn gemacht. es kam schon ende der 70er vor, dass er 200 mark für eine sitzung nahm (war abhängig von der fragestellung und der finanziellen situation des kunden (bzw. der kundin, die meisten menschen, die seine dienstleistung in anspruch nehmen sind/waren frauen)), doch erst ein jahrzehnt später wurde ihm wohl klar, dass es keinen sinn machte weder ihm selbst noch anderen vormachen zu wollen ein mensch innerhalb des systems zu sein. - ich mochte ihn nie wirklich. insbesondere, seit ich mit acht oder so mitbekam wie er über seine kunden dachte. aus seinen worten sprach nichts als verachtung. er sagt damals, er würde ihnen nur erzählen, was sie hören wollen. eigentlich sei er nur ein lügner, nur ein außergewöhnlich guter. und wenn sie (die kunden) halt so blöd seien wäre es besser, wenn er das geld bekäme als irgend ein anderer. - ich weiss nicht, ob er wirklich “übersinnliche fähigkeiten” hat oder jemals hatte, oder ob er einfach ein guter menschenkenner und -täuscher ist. ist in diesem zusammenhang vielleicht auch nicht so wichtig. es ist fast eine stunde vergangen, seit ich begann zu tippen. breche ab. vielleicht ein anderes mal mehr zu meinen heutigen gedanken. wahrscheinlich aber nicht. werde sie wohl wieder vergessen. und selbst wenn ich sie nicht vergessen würde, ist es auch nicht wirklich möglich. sobald man gedanken ausspricht oder aufschreibt sind es keine gedanken mehr. es müsste ein gerät geben, mit dem man gedanken festhalten könnte ohne sie aussprechen oder schreiben zu müssen - wäre der einzige weg um sie wirklich festzuhalten zu können.

nochmal durchgelesen. und ein paar tippfehler korrigiert. über eine stunde vergangen seit ich begann zu tippen. bin jetzt weniger müde als zu dem zeitpunkt als ich begann. mache aber trotzdem nicht weiter.