avare, 200527.10.2009 16:15

kam vor etwa einer halben stunde nach hause. war heute das zweite mal in meinem leben in einem privaten wettbüro. da kann man aber auch charaktere sehen. in etwa wie leute aus büchern von charles bukowski. wirklich viele kaputte typen. wenn es einen nicht so runterziehen würde, könnte man da auch stundenlang sitzen und die männer beobachten. (hab übrigens einen tipp abgegeben. 6 spiele. müssen alle korrekt sein. gäbe dann 1756 euro zurück. (bei einem einsatz von 6 euro.) ich spiele nicht viel. jedenfalls nicht mit hohen einsätzen. verbuche jeden einsatz gleich als verlust und kann mich dann meistens auch über kleine gewinne freuen bzw. bekümmert es mich nicht, wenn ich eben nicht gewinne. (wen es interessiert: hab in 2005 bisher ein minus von 232 euro. (hab eine excel-mappe in die ich alle einsätze und gewinne eintrage.) kann ich verkraften. )) desweiteren hab ich gesehen, dass das lied von james blunt und meine übersetzung eingestellt wurde. (hörte das lieb gestern ungezählte male. bestimmt 20 mal. während der hinfahrt (etwa auf mitte des weges.) stellte ich meinen player auf "track wiederholen", änderte während der rückfahrt nichts daran, so dass ich während der gesamten heimfahrt den song hörte. gestern übersetzt. und dann vordatiert. war eingestellt als ich nach hause kam. meine übersetzung gerade ein wenig bearbeitet. und noch was anderes. eben versucht meine kontaktlinsen rauszuholen. gelang mir bei einer. bei der anderen nicht. jedenfalls hab ich sie nicht in den fingern gehabt. im auge scheint sie aber auch nicht mehr zu sein. hoffe ich mal, dass sie nach hinten durchgerutscht ist.

 

avare, 200523.10.2009 22:50

er: ich bin hier geboren und aufgewachsen.

ich: ja?

er: ich sage dies nur, weil sie dir etwas anders gesagt hat.

ich: so? und wo ist hier? frankfurt?

er: ja. mein ganzes leben in frankfurt. aber sterben werde ich nicht da. das habe ich mir ganz fest vorgenommen.

ich: ich auch. will auf den malediven sterben.

—————–

etwa eine woche her. fühle mich nicht gut. die erinnerung an den kurzen dialog kam mir gerade in den kopf. tippte ihn. kurz vor eins. muss ins bett. egal, sterben werde ich nicht hier…

gute nacht.

avare, 200517.10.2009 16:06

heute früh im bus.

wartete heute früh (am clodwigplatz) fast eine halbe stunde auf den bus. (es wird gebaut. u-bahn-tunnel, um präzise zu sein.) dann endlich kam er. ich drin. natürlich kein sitzplatz. und scheißvoll. hätte ich wenigstens musik dabeigehabt, hätte ich mich wenigstens geistig entfernen können. konnte ich aber nicht, da musik zuhause. aber wenigstens bekam ich folgenden dialog mit:

sie 1 (spricht mit akzent, osteuropäisch, genauere zuordnung nicht möglich): sie ist krank. zweite operation.

sie 2: Was hat sie denn?

sie 1: tumor.

sie 2: wo?

sie 1: in den brüsten.

sie 2: und? gute prognose?

sie 1: ja….aber 18 jahre…

schaue nach links. will “sie 1″ und “sie 2″ auch mal sehen. beide mittelalt (ca. 45-55). “sie 1″ hat einen kinderwagen. kann nicht in den kinderwagen sehen. auch unbedeutend, glaube, dass der kinderwagen nichts mit dem thema zu tun hat. die beiden reden weiter. alles superkurz. wobei “sie 1″ wenigstens einige sätze bildet. bekomme mit, dass sie polin ist. (sie erzählt, dass einer der beiden ärzte pole ist.) denke mir, dass es um ihre tochter oder eine verwandte geht. (höre die sorge in ihrer stimme. keine sorge wie für eine bekannte. echte sorge, wie für das eigene kind.) wundere mich, dass jemand so früh brustkrebs bekommt. verbinde brustkrebs mit alten frauen. “sie 1″ will “sie 2″ die visitenkarte ihres arztes zeigen. “sie 2″ will sie nicht sehen. sagt, dass sie jetzt raus muss. “sie 1″ gelingt es gerade noch ihr die visitenkarte zu zeigen bevor “sie 2″ aussteigt. (denke in diesem moment, dass “sie 1″ und “sie 2″ sich gar nicht kennen. (hatte zuvor angenommen, dass die beiden flüchtige bekannte wären.) “sie 1″ hatte sie wohl gerade erst angesprochen. eine junge türkische mutter mit kinderwagen in begleitung einer anderen jungen türkin steigen ein. “sie 1″ muss die position ihres kinderwagen verändern, dass auch der andere kinderwagen platz hat. sehe erstmals in den kinderwagen. ein hund. graues haar. bis zum hals zugedeckt mit einer rosa decke. (denke: “um sie ging es die ganze zeit.”) sie streicht dem hund über den kopf. kaum eine reaktion. ganz vernebelte augen, der hund scheint blind zu sein.

sie 1 (zur jungen mutter): sie ist krank. zweite operation.

keine reaktion von der jungen mutter.

beginne über liebe und den tod nachzudenken. plötzlich bin ich da. will gerade aussteigen, da höre ich: “orhan, orhan, orhan!” bin irritiert. war ganz in gedanken. schaue mich um. und da sehe ich die ruferin, die an der bushaltestelle steht…

avare, 200511.10.2009 18:34

zu heute: akzeptabler tag, nicht so gut wie gestern, aber auch nicht schlecht. lief den ganzen tag in einem verwaschenen poloshirt rum (fast neu, war die zweite wäsche. irgendetwas hat abgefärbt.), hat mich schon geärgert, erstens weil ich das shirt echt mag, zweitens, weil ich erst nachmittags bemerkte, das es bläuliche verfärbungen hatte (hätte ich wohl alleine noch später bemerkt, wurde darauf angesprochen. da fällt mir gerade was ein. schon ein paar wochen her:

sie: wer bügelt deine hemden?

ich: niemand. ich denke, das sieht man.

sie: ja.

avare, 200509.10.2009 07:23

träumte heute nacht etwas. dachte die ganze zeit im traum: “so etwas hat man noch nie gesehen! das wäre doch eine unglaubliche tv-serie.”

jetzt bin ich wach. und hab keine erinnerung an den traum. nur an den gedanken, dass es außergewöhnlich und ungesehen wäre.

erinnert mich an einen regisseur. bin nicht sicher welcher. glaube truffaut, könnte auch ganz wer anders gewesen sein. dieser regisseur hatte einen wiederkehrenden traum. konnte sich aber nie an seinen traum erinnern. irgendwann gelang es ihm aber mitten im traum aufzuwachen und notizen zu machen. als er am nächsten morgen aufwachte war die erinnerung an den traum - wie jedesmal - wieder weg, doch er erinnerte sich an seine notizen, voller spannung sah er nach, was er wohl in der nacht aufgeschrieben hatte. und was stand da geschrieben? “boy meets girl.” das war alles.

avare, 200508.10.2009 05:23

etwas scheine ich wirklich zu beherrschen. intensive gefühle in anderen zu erwecken. meistens negative. dabei bin ich meistens unglaublich distanziert. mir nicht erklärlich wieso andere so reagieren können. ich hasse niemanden. nicht einmal meinen alten taekwondo-lehrer “meister kim” (was nicht bedeutet, dass ich es ihm nicht gönnen würde von einen achtachser überfahren zu werden. würde es ihm durchaus gönnen.) - rationalisiere das allermeiste sofort oder zumindest zeitnah.

avare, 200506.10.2009 19:09

bin heute wieder so müde. doch nicht so besonders, bin ich (zumindest zeitweilig) bestimmt an zwei bis vier tagen jeder x-beliebigen woche. egal. ein blah blah blah post für heute wird jetzt dennoch geschrieben.

wo anfangen? am morgen, bietet sich vielleicht an. mein wecker ging um 05:48 los. stand auf und stellte ihn aus. also nicht auf sleep, dass ich noch ein paar minuten gehabt hätte. legte mich wieder ins bett. als ich dann wirklich aufstand war es 07:41 uhr. duschte, zog mich an, setzte mich an den pc, trank kaffee, rauchte ein paar zigaretten und stellte einen post, den ich nachts um 02:02 h geschrieben hatte, auf privat. anschließend verließ ich meine wohnung. könnte auch einiges zum heutigen tag schreiben, doch mir ist irgendwie nicht danach. dies ist auch nicht der eigentliche grund warum ich diesen post schreibe. will vielmehr die nächtliche eintragung wieder öffentlich werden lassen, daher jetzt diese, die komplementär zu “a. ist tot” sein soll.

beginne. wer ist a.? a. ist mein ungeborener bruder. dachte schon einige male über ihn nach, obwohl er nie lebte. vor meiner geburt hatte meine mutter eine fehlgeburt. ein junge, sollte den namen a. tragen, wie meine beiden großväter (mütterlicherseits und väterlicherseits, hatten zufällig denselben vornamen), doch im siebten monat gab es komplikationen. diese bestanden darin, dass sich die nabelschur um seinen hals wickelte und er schon bei seiner geburt verstorben war. viele meiner gedanken ihn betreffend drehen sich eigentlich um mich, meine überlegungen gingen meistens in die richtung, wie mein leben gewesen wäre, wenn ich einen bruder, speziell einen großen bruder, gehabt hätte. hab mir auch manchmal ausgemalt was aus ihm geworden wäre, doch eigentlich ging es mir meistens in erster linie um mich, darum was mir verloren ging. hätte gerne einen großen bruder gehabt. hab nur jüngere geschwister, und diese sind alle schwestern. nichts gegen schwestern, doch ein großer bruder hätte mir (vielleicht) vieles gegeben, was mir in meinem leben fehlte, dinge wie oríentierung, fokus, etc. hätte mir vielleicht auch ein vorbild sein können, wenn auch vielleicht nur ein schlechtes, aber immerhin ein vorbild. so hatte ich nie ein vorbild. hätte natürlich versuchen können selber ein guter großer bruder sein zu wollen, doch dies ist mir wohl misslungen. habe es manches mal versucht. hatte auch immer wieder ein gutes verhältnis zu zumindest drei meiner vier schwestern, aber auch phasen wo ich überhaupt kein verhältnis hatte. und mir wurde auch von diesen drei schwestern irgendwann einmal gesagt, dass ich für sie ein vorbild sei, doch zu so großen gefühlen bin ich selten fähig und kann auch wirklich nicht mit komplimenten umgehen. so dass ich dann oft gerade in diesen momenten die distanz vergrößerte. vielleicht ist manches hiervon vergangenheit. vielleicht bin ich offener fremden und bekannten gegenüber. vielleicht sind meine nahezu autistischen momente seltener als sie schon waren. doch zu oft ziehe ich mich doch zurück, wenn ich glaube, dass andere zuviel von mir erwarten oder ihnen zuviel an mir liegt. will ich ändern, wirklich, aber gar nicht so einfach.

keine lust weiterzuschreiben. breche hier ab.

avare, 2005 00:17

ein fakt. a. ist tot. lebte nie. vieles (wenn nicht alles) wäre anders verlaufen, wenn a. gelebt hätte. hätte ein korrektiv, wenn nicht gar ein vorbild, gehabt. so hatte ich dies nie.

eine meiner 4 schwestern hatte heute geburtstag. (sollte ich mich vertippen, so sei es so, vielleicht korrigiere ich die fehler später. jetzt tippe ich einfach nur.) gerade nach hause gekommen. lief von der venloer str. nach hause. stinke jetzt nach schweiss, wohl von dem heimweg, so viel tanzte ich auch wieder nicht.

mein augenarzt hat mir einmal gesagt, dass ich die linsen nicht länger als 8 stunden drinlassen sollte, weil ich zu wenig tränenflüssigkeit habe. jetzt habe ich sie schon seit 19 stunden drin. sollte schnell machen. linsen raus und ins bett.

schleppte b. bis an die venloer str., setzte ihn dann in ein taxi. und lief von da zu fuss nach hause.

keine lust zu tippen. werde jetzt schlafen. wenn morgen noch etwas da ist schreibe ich dann vielleicht mehr.

einige stichworte für mich:

g.’s glänzende augen (grund: geld)

gedanken zu b.

do.’s aussage zu sozialen kontakten

vielleicht auch etwas zu d.

genug.

avare, 200530.09.2009 19:28

drei frauen, zwei männer, manche rauchen, manche nicht. das gespräch läuft schon. einige themen wurden angesprochen. steige kurz vorm ende ein.

frau 1: drück die zigarette richtig aus. deine letzte zigarette hab ich ausgedrückt. du drückst sie nicht richtig aus und dann brennen sie weiter bis auf den filter und es qualmt.

mann 1: wirklich? hab ich gar nicht bemerkt. danke.

frau 1: du läufst so durch leben. (legt ihre flachen hände an ihre schläfen. deutet scheuklappen an.)

mann 1: aber nicht doch. ich bin doch so. (öffne meine arme, als wollte ich die welt umarmen.)

mann 2: nein, du hörst dir alles an. glaube auch, dass du zuhörst, aber dann sast du: “Schön.” und bleibst bei deiner ursprünglichen meinung.

mann 1: wirklich?

frau 1: könnte wohl was dran sein, wenn es alle sagen…(sie drückt auch meine zweite kippe aus. (diesmal sehe ich es auch.))

mann 2 (bezugnehmend auf das ausdrücken der kippe): eine strenge frau.

mann 1: hier sind alle frauen ziemlich streng.

frau 2: ich nicht.

mann 1: weniger als die anderen. aber du hast auch etwas strenges.

mann 1 (zu mann 2): ist nicht nur g., die streng ist.

mann 2: wie? g. ist nicht streng?

mann 1: nein, sie ist streng. aber nicht nur sie. ist bei den anderen nicht so ausgeprägt.

[die letzte passage zwischen mann 1 und 2 wurde im aufbrechen gesprochen und wohl nicht von jedem gehört.]

avare, 200514.09.2009 18:09

im raum ca. 7 frauen und ich.

gespräch läuft bereits. themenwechsel.

frau 1: habt ihr damals mitbekommen was süleyman demirel gesagt hat?

ich: nein.

frau 1 macht den ehemaligen türkischen ministerpräsidenten nach.

ich: ich hab kein wort verstanden.

frau 1 macht den ehemaligen türkischen ministerpräsidenten ein zweites mal nach.

ich: wieder kein wort verstanden. kannst du es nochmal sagen, aber langsamer und ohne seinen dialekt.

frau 1: “wenn ihr alle landeskinder seid, was bin ich dann? ein hurensohn?” er hat das echt gesagt. war damals im fernsehen und in den zeitungen. ist aber schon lange her.

ich: so, kann ich nicht so beurteilen. ich mag keine türkischen politiker. ich kenne mich da auch nicht so gut aus. die einzige türkische politikerin, die ich mochte war tansu, tansu ciller, nicht wegen ihrer politik, wegen ihrem typ. ich mag arrogante frauen, die wissen, was sie sind, die dies auch zeigen.

frau 2: ich komme gleich und erwürge dich. (steht scherzhaft auf und kommt mit händen in würgehaltung auf mich zu.)

ich: nicht ihre poltik, ich mochte, mag, die frau, allgemein den typ. stehe halt auf arrogante frauen, keine ahnung wieso.

(jetzt gab es einen wortwechsel zwischen zwei oder drei frauen, ob man auf arrogante frauen steht, wenn die mutter so ist, oder wenn die mutter genau das gegenteil ist.)

frau 3: heute früh in der u-bahn meintest du aber, dass die merkel auch ähnlich wie die ciller ist. die frisur, haarfarbe und das make-up.

ich: der vergleich kam aber von dir. aber stimmt, sieht ihr auf dem “ein neuer anfang”-plakat sehr ähnlich. kann die merkel aber so was von nicht leiden. hat auch nichts von tansu, nur auf dem plakat, trifft gar nicht die echte merkel. sieht auf dem bild sogar ziemlich sympathisch aus. steckt wohl sehr viel arbeit in dem foto. da hat es jemand ziemlich lange bearbeitet…ich mag die ganze art der ciller. wie sie geht und spricht und so. stehe halt auf den typ.

gespräch ging etwas weiter, aber ich breche hier ab.

—————–

nachtrag:

frage: ist “arrogant” ein euphemismus für “dominant”?

antwort: nein. “arrogante frauen” sind selbstbewusste frauen, die wissen, wer sie sind, die sich ihrem wert bewusst sind, die dies ganz natürlich austrahlen. nichts gezwungenes oder aufgesetztes. dies bedeutet nicht, dass sie keine schwächen haben können, doch diese zeigen sie halt nicht in der öffentlichkeit. privat ist dies nicht so. ich kann mit niemanden zusammen sein, die “bossy” ist. lasse mich nicht herumkommandieren, kommandiere aber auch nicht herum.

avare, 200511.09.2009 06:51

heute ist der 11. september. kann mich an den 11. september 2001 erinnern. ziemlich gut sogar. arbeitete damals abends. war irgendwann gegen 11 oder 12 aufgewacht (inzwischen die angewohnheit des langen schlafen völlig abgelegt. stehe in der regel früh auf, unabhängig davon wann ich schlafen gehe und ob ich früh aufstehen muss. auch wenn dies bedeutet, dass ich in manch einer nacht mit drei stunden schlaf auskommen muss.), musste ca. 16:30 aus dem haus. gegen 14 uhr setzte ich mich vor den fernseher um mir einen italienischen mafia-film ansehen, den ich ein paar tage zuvor aufgezeichnet hatte. (ich mag mafia-filme. irgendwie berührt mich die thematik. begriffe wie “treue”, “ehre”, “familie”, “verrat”, “wir & die” etc. haben mich schon solange ich denken kann berührt/beschäftigt. “der pate” teil 1 und 2 sind beide in der top10 meiner all-time-favorites.) um 14:55 wollte ich mal kurz auf die toilette. schaltete den videorecorder aus. und ich sah das “breaking news”-insert auf cnn (wenn man denn videorekorder ausschaltet sieht man auf dem fernseher den kanal auf den der videorecorder eingestellt ist. war zu dem zeitpunkt cnn.) - sah ein rauchendes hochhaus. das wtc. es war “cnn usa” und nicht “cnn international” (manchmal übernimmt “cnn usa” wenn etwas außergewöhnliches geschehen ist, war z.b. auch letzte woche für ein paar tage so, als die berichterstattung über “katrina” auf dem höhepunkt war.) - die reporter spekulierten was wohl geschehen sei. sie dachten, ein kleiner privatflieger wäre in einen der tower geflogen, dass es ein großes passagierflugzeug gewesen sein konnte kam ihnen (und mir auch) gar nicht in den kopf. ein paar minuten später sah ich “live” das zweite flugzeug in den anderen tower fliegen. war danach stundenlang auf den bildschirm fixiert. sah die türme zusammenstürzen. war alles extrem, und unglaublich intensiv, obwohl es nur tv war. später musste ich mich doch vom fernseher wegreissen, musste zur arbeit. als ich da war, war ich überrascht. eine person war schockiert. der rest hatte entweder keine ahnung was geschehen war oder war (nachdem er es erfuhr) maximal neutral. einige freuten sich offen. hatte so eine reaktion nicht erwartet.

avare, 200510.09.2009 09:11

träumte diese nacht. eigentlich träume ich wohl jede nacht. doch in den letzten monaten erinnere ich mich nur bruchstückweise an die inhalte meiner träume, nur fetzen und einzelne bilder. aus meinem letzten traum ist mir aber eine fast komplette szene in erinnerung geblieben:

zwei gruppen menschen. eine gruppe auf einer brücke. die andere unten. die leute auf der brücke bespuckt und bewirft die menschengruppe unten mit gegenständen. ich bin auf der brücke. spucke und werfe aber nicht. dann verlasse ich die brücke und gehe zu den menschen unten. hab plötzlich eine zitronengelbe jogginghose und eine hellgrüne bomberjacke an. ich brülle hoch. fordere die leute auf der brücke auf doch runterzukommen. von da oben ist es einfach. sollen sie doch runterkommen. ich nehme es mit jedem einzelnen auf. die leute auf der brücke schauen sich gegenseitig an und um. dann leert sich die brücke.

avare, 200526.08.2009 23:02

sie: dir ist klar dass wir beide hier als so eine art unruhestifter angesehen werden?

seine schultern und seine oberlippe gehen nach oben.

sie wirft ihren kopf in den nacken. ein lächeln/grinsen auf dem gesicht, irgendwo zwischen revoluzzertum, einsicht in das unausweichliche und belustigung. ihr gesicht fällt nach vorne, in ihre wartenden hände, dann fällt der kopf wieder zurück in den nacken.

avare, 200525.08.2009 15:15

sah mal "boulevard bio". schon einige jahre her. thema der sendung war der tod. unter anderen waren zwei mitglieder einer sekte eingeladen, die behaupteten unsterblich zu sein. soweit ich mich erinnere, behaupteten die typen, dass man nur sterben würde, wenn man den willen zum leben verlieren würde.

biolek fragte den typen, ob denn schon mitglieder der gruppe gestorben seien.

"ja." antwortete einer der beiden gäste.

auf bioleks nachfrage, wie denn dies zu erklären wäre, entgegnete er: "ihnen fehlte der glaube. wenn man nicht wirklich daran glaubt nicht sterben zu können, kann man sterben."

avare, 200523.08.2009 17:35

heute:

sie: sag mal orhan (so heisse ich übrigens, hab den namen noch nie gemocht.), bist du eigentlich moslem?

ich: du fragst mich, ob ich moslem bin? (denke: du kennst mich doch schon eine ganze weile. wie kommst du aus dem nichts auf so eine frage? worauf willst du heraus?)

sie: ja, darf ich doch, oder?

ich: nun, ich bete nicht, ich faste nicht, ich esse schwein - und alkohol trinke ich auch, wenn man davon absieht, bin ich vielleicht moslem.

——–

13.08.2005 (in hurghada, egypt)

he: you’re muslim?

i: no.

he: christian?

i: no.

he (with a frown on his face): you don’t believe in god?

(a “vision” (have no better term, i really saw and heard it as if another person was in the room.) shoots through my mind: i’m seeing peter scholl-latour. he speaks: “sag nie einem moslem, dass du nicht an gott glaubst. passt nicht in sein weltbild. jemand, der an nichts glaubt ist weniger als ein tier.” - this vision took less than a second. usually i tend to think in the language i’m speaking. in that moment i thought in german. maybe because the vision of scholl-latour (great, isn’t it? others “see” jesus oder maria or at least a “saint”. all i “see” is peter scholl-latour.) was in german.)

i: i’m not sure. i guess i believe in god. two of my uncles were imans. one of them a really famous one. so i learned a bit about islam as a child. i also had eight years of catholic religion at school. and i read a lot. i did a lot of reading in my life. i probably believe in god, but probably in no system known.

——–

now

my definitive answer is: no, i’m not a muslim. and no again, i don’t really believe in god.

the same in german: nein, ich bin kein moslem. und nochmal nein, ich glaube nicht wirklich an gott. (da lasse ich mir ein kleines hintertürchen offen. vielleicht gibt es so etwas wie gott doch. bestreite die existenz gottes nicht. glaube aber auch nicht an sie.)

avare, 200530.07.2009 10:27
mittwoch morgen. haltestelle ebertplatz. mein mp3-player spielt wieder verrückt. schaltet sich einfach aus. ich schalte ihn wieder an. er schaltet sich wieder aus. plötzlich höre ich einen typen schreien. kann mich nicht mehr erinnern, ob ich ihn schreien hörte, während die musik gerade lief, oder in einem moment als er sich wieder ausgeschaltet hatte. drehe mich um. der typ steht genau hinter mir. kein meter zwischen uns. er ist wütend. etwa so groß wie ich, ziemlich dünn, sein haar ist etwas länger, überlege kurz woher er sein könnte, "vielleicht italien" ist mein gedanke in dem moment, an seiner sprache kann ich nichts erkennen, hat keinen akzent. seine worte worte richten sich an ein mädchen, ca. 23, sieht eigentlich zu gut für ihn aus, kann mich an ein dunkelgrünes oberteil erinnern, aber nicht mehr was, shirt, jacke, irgendwas, aber dunkelgrün. an der station stehen sehr viele menschen, bestimmt hundert. keiner tut etwas. ich überlege kurz, ob ich dazwischen gehen soll. entscheide mich aber erstmal dagegen. solange er nicht versucht sie zu schlagen, muss sie schon alleine damit fertig werden. er schreit: "was heisst du willst nichts mit mir zu tun haben?!? vor einem jahr war das aber anders! da wurden deine beine ganz weich!" später schreit er noch etwas von einem sex-shop, in den sie unbedingt wollte, obwohl er es nicht wollte. war schon peinlich für die beiden. trennungen sind schon schlimm. liebe und hass sind wirklich die enden ein und derselben skala. nur wo liebe war (bzw. möglich gewesen wäre) kann hass sein.
avare, 200526.07.2009 21:28
als ich heute das fitnessstudio verliess, sah ich an der info zwei typen stehen. wohl leute, die sich anmelden wollten, oder so, hatte sie jedenfalls noch nie gesehen, waren auch in strassenklamotten. sah zuerst niemanden auf der anderen seite des tresens. als ich direkt an der info vorbeiging, sah ich eine der beiden neuen blonden trainerinnen (btw: hatte sie bestimmt zwei wochen nicht mehr gesehen. das mädel hat in der zeit einiges abgenommen; vielleicht will sie in dem job ein vorbild sein. steht ihr zudem gut.), sie sie war über etwas gebeugt und schrieb etwas, vielleicht einen termin für ein probetraining in den kalender, würde ich mal vermuten. als ich gerade durch die ausgangstür ging, hörte ich ein fröhlisches "tschüüüüs!", super-fröhlisch, fast schon aufgeputscht klingend. sie winkte auch. beim winken knickte sie die finger nach innen ab, dass die finger fast (oder tatscächlich) die handinnenfläche berührten. diese art des winkens fiel mir schon vor einigen jahren auf. mit mir als einzige mir bekannte ausnahme machen es nur frauen. ich hab mir diese winkweise auch von einem mädel abgeguckt und verwende sie auch fast ausschliesslich gegenüber frauen und dies meistens auch nur wenn ich fröhlich gestimmt bin.
avare, 200523.07.2009 09:41
gestern im kollegenkreis (3 leute hörten sicher mit, bei ca. weitern 3 bin ich mir nicht sicher) erzählte ich davon, dass ich mit 12, 13 selbstmordphantasien hatte. keine ahnung wieso. eine kollegen erzählte dann von ihren selbstmordphantasien, die sie allerdings schon mit 7 hatte. eigentlich waren es bei mir gar keine richtigen selbstmordphantasien. ich war überzeugt, dass ich meinen 12. geburtstag nicht erleben würde. keine ahnung woher ich diesen gedanken hatte. auch nicht ab wann, vielleicht seit ich 10 oder 11 war. doch ich erlebte meinen 12. geburtstag. dann war ich überzeugt, dass ich spätestens zu meinem 13. geburtstag sterben würde, doch auch diesen erlebte ich. als ich 13 war dachte ich: "aber 14 wirst du nicht! wenn es nicht von selbst passiert, helfe ich eben nach!" seltsam, was ich so in dem alter dachte. seit meinem 14. geburtstag bin ich irgendwie frei von angst, zumindest was den tod betrifft. manche menschen, die einen nah-tod-erfahrung hatten, verlieren nach dieser die furcht vor dem tod. ist bei mir ähnlich, obwohl es keine echte nah-tod-erfahrung war, doch empfand ich sie wohl so, war wirklich 100% sicher, dass ich jung sterben würde, doch als ich dennoch weiterlebte, war ich irgendwie frei von jeder art von todesangst.
avare, 200503.07.2009 02:16
mein drittes schuljahr hatte gerade begonnen, vielleicht 1-2 monate vergangen, da sprach mich morgens am schultor ein kleiner junge aus der ersten klasse an: "hallo du, ich hab keine freunde, willst du mein freund sein?" ich wusste nicht, was ich sagen sollte, war total baff, so sagte ich "okay." er freute und bedankte sich und sagte zum abschied etwas wie: "also, wir sind jetzt freunde?" und ich entgegnete etwas wie: "ja, ja." in den nächsten beiden jahren, die ich noch auf die grundschule ging, grüsste mich der kleine, wenn er mich auf dem hof sah. und ich grüsste zurück. sonst sprachen wir kein wort. kann mich auch nicht an seinen namen erinnern, weiss gar nicht mehr, ob ich ihn je kannte. dachte mir damals, dass er vielleicht mit seinem freund aus der dritten drohte, wenn andere ihn zu sehr piesackten, und fand den gedanken lustig.
avare, 200530.06.2009 18:56
ein schwarzer junge, wie ein junger xzibit, riesige lippen. einige schwarze haben schon was. männer wie frauen. vielleicht der bestaussehendste kerl, den ich je in einem film sah war, war der junge boxer in "la haine" (deutscher Filmtitel: HASS), der junge sah sowas von gut aus. mit einem solchen aussehen hat man schon gewonnen. egal was man ist oder drauf hat. keine ahnung wie der typ heisst. er hatte eine der drei hauptrollen: er, ein junger araber (dessen namen ich auch nicht weiss) und vincent cassel in der rolle eines jungen juden (diese figur ist wohl vom regisseur & drehbuchautor matthieu kassovitz ziemlich autobiographisch angelegt, sozusagen fast ein alter ego. matthieu kassovitz könnten manchen auch als schauspieler bekannt sein. er spielt den jungen in "die fabelhafte welt der amelie" (den der zerrissene fotoautomatenbilder sammelt) in den sich amelie verliebt.). "la haine" ist einer der wenigen filme, die ich mehrmals sah. einmal sah ich ihn zusammen mit mehreren anderen; im raum kreiste immer wieder ein joint, und irgendwann hörte ich jemanden sagen: "in dem film wird ja andauernd gekifft!" (was erstens stimmt und zweitens zu hysterischem gelächter im raum führte.) mein lieblingszitat aus "la haine": "wer ist der typ? kenn ich den? hab ich schon mal mit dem gekifft?" [notizen dienstag morgen im bus begonnen. mittwoch nachmittag auf einer parkbank neben einem sandkasten abgeschlossen. fast unverändert abgetippt.]
avare, 200521.06.2009 22:36

eine kollegin und ich, letzten donnerstag oder freitag, kann mich nicht mehr so genau erinnern, jedenfalls begannen wir plötzlich mit einem reaktionspiel. dabei bin ich 33, sie sogar schon 41, obwohl sie wirklich viel jünger rüberkommt, maximal wie 25 oder so, die gekicherei die ganze zeit etc. zu dem spiel: jemand hält beide hände in die luft, mit den handflächen nach oben, der/die andere legt seine/ihre hände mit den handflächen in die handflächen der/des anderen. sie hatte ihre hände oben, ich meine hände unten. derjenigen mit den händen unten muss seine hände wegnehmen und versuchen die hände der/des anderen zu treffen, bevor diese(r) seine/ihre hände wegziehen kann. bevor das spiel begann meinte sie: nicht zu feste! ich: vertrau mir! und schon trafen meine beiden hände ihre hände, die sich überhaupt nicht bewegt hatten. sie: jetzt ich!! sie sah mir in die augen. sie: du hast ja gar keine angst! ich: wovor denn auch? sie: so macht das keinen spass! und zog ihre hände weg. ————— hatte heute ein anderes "erlebnis", dass mich auf einen gedanken brachte: der satz "du hast ja gar keine angst!" und die folgende reaktion zeigt vielleicht mehr über die mann-frau-beziehung als gedacht (und gemeint) war. ergibt vielleicht im zusammenhang mit der folgenden beobachtung von heute einen weiteren sinn. saß in einem biergarten im schneidersitz auf dem stuhl. jemand sagte: sitzt du auch bei einem date so? ich (richtete mich spontan auf und saß gerade, sogar etwas zu gerade): nein, so! hätte es besser formulieren können, doch meine handlung und die zwei worte sagen auch etwas aus. wenn man (oder sage ich mal ‘ich’, will dies nicht unbedingt verallgemeinern) wirklich an jemandem interessiert bin, dann versuche ich einen möglichst guten eindruck vermitteln, wird sogar etwas verkrampft. man könnte dies auch angst nennen. angst davor, einen schlechten eindruck zu hinterlassen. angst davor, dass das eigene ich nicht gut genug sein könnte. wenn kein derartiges interesse da ist, fehlt auch diese angst.

avare, 200519.06.2009 10:48
rettete gestern im bus einen schmetterling. ziemlich groß und dunkelbunt (wo hab ich das wort "dunkelbunt" gelesen? las es mit sicherheit irgendwo. kann mich daran erinnern, dass ich es vor ein paar tagen las. kann mich aber nicht erinnern wo.), ziemlich bunt, aber dunkle farben, die grundfarbe war auch dunkel. ein ganz dunkles braun oder schwarz. hatte mich gerade hingesetzt. war die endstation. der bus fuhr nicht sofort los. ich war ziemlich platt, fühle mich aber gut, da ich gerade trainiert hatte und frisch geduscht war. (eine neue entdeckung von mir: schauma 48-stunden frische schampoo - toll, ist mein neues lieblingsschampoo, auch wenn ich nie auf 48-stunden komme und den wahrheitsgehalt des namens nicht überprüfen kann.) und hörte kettcar. da flog ein schmetterling gegen die scheibe. stand auf. versuchte den schmetterling mit beiden händen in der luft zu fangen. gelang mir nach ca. 10 sekunden mit meinem zweiten versuch. rannt zur tür des busses, die sich gerade schloss. als ich an der tür war, war der bus schon unterwegs. ein kleines mädchen schaute suchend in die luft. ihre mutter zeigte mit einem lächeln im gesicht auf mich. die tochter sah mich an. ich stand an der tür. in der höhle, die meine hände bildeten, krabbelte der schmetterling. als der bus an der nächsten haltestelle war verliess ich den bus, ging zwei schritte (weil ich nicht wollte, dass der schmetterling wieder in den bus fliegen könnnen sollte) und öffnete meine hände. er flog nach oben. und ausgerechnet heute hörte ich das neue album von kayahan. der titel des albums ist übersetzt "die chance des schmetterlings" - ist dies ein zeichen? oder ein unglaublicher zufall?
avare, 200517.06.2009 21:36
vor ein paar tagen, muss dienstag oder mittwoch gewesen sein, kam ein penner in die bahn und versuchte eine obdachlosenzeitung zu verkaufen (war übrigens diese woche extrem häufig, sah bestimmt vier oder fünf dieser typen in der bahn.), ich saß auf einem fensterplatz, mir schräg gegenüber saß eine frau in etwa meinem alter (obwohl ich mich nicht so sehe, für mich ist dieser typ mensch jahrhunderte weit weg. jedenfalls war die frau etwa 35 (vielleicht zwei jahre mehr oder weniger)) und als der obdachlose an ihr vorbeiging, zog sie sich extrem zurück, mit einem extrem gequälten blick in den augen und einem verzerrten gesichtsausdruck, dass der penner sie ja nicht streifte. dies geschah zweimal: als der mann das erste mal an ihr vorbeiging und auf seinem rückweg. (übrigens hat niemand eine zeitung gekauft, wie auch zu den anderen gelegenheiten, die ich diese woche miterlebte. gab auch keine spende. (das fucked mich übrigens total ab - dieser satz: "wollen sie eine obdachlosenzeitung kaufen, oder eine kleine spende?" - die obdachlosenzeitungen wurden erfunden, damit die penner nicht betteln müssen (auch wenn manche die zeitung nur kaufen um den leuten almosen zu geben), das "oder eine kleine spende" führt das gesamte konzept ad absurdum.) ich sagte zu der frau: "so schlimm ist es auch nicht!" - sie sagte etwas wie "WAS!?!?" - ich sagte: "so schlimm ist es auch nicht, müssen sich nicht so verhalten." - sie wusste was ich meinte, sagte aber: "DAS GEHT SIE NICHTS AN!!! ICH HABE MICH GANZ NORMAL VERHALTEN!!! KÜMMERN SIE SICH UM IHRE SACHEN!!!" - das "KÜMMERN SIE SICH UM IHRE SACHEN!!!" wiederholte sie drei bis fünf mal. ich hätte den typen zurückrufen sollen, um eine zeitung zu kaufen, dass er noch zweimal an ihr vorbeigehen musste. fiel mir aber in dem moment nicht ein.
avare, 200526.05.2009 08:14
fuhren gerade an einer haltestelle vorbei. ein alter mann saß auf der bank, neben ihm eine offene flasche bier. machte keine anstalten einzusteigen. wäre aber auch nicht so schnell gegangen, selbst wenn er gewollt hätte, denn seine beinprothese, die er (vielleicht wegen der hitze) abgenommen hatte, stand vor ihm.
avare, 200501.05.2009 20:44

habe ihn perfektioniert, meinen leeren blick. brauchte nur ein paar jahre dafür. früher, vor einigen jahren, als ich 18, 19, 20 war, sprach mich fast jeder penner, fast jeder schnorrer an. selbst wenn ich in einer gruppe von fünf oder sechs oder so war - ratet mal wen er ansprach? mich! mich! mich! doch dann kam ich auf den leeren blick. anfangs zufällig, weil ich während des gehens irgendwas dachte. später immer öfter mit absicht. perfektionierte ihn, meinen leeren blick. heute spricht mich so gut wie niemand mehr an, wenn ich durch die stadt gehe, kein penner, kein schnorrer, und auch nicht studis mit ihren clip-boards, die marktforschung machen, oder mir irgendwas verkaufen wollen. (ein tipp am rande: wenn dir jemand sagt, du kannst geld sparen, würg ihn ab, und geh weiter, oder leg auf, wenn du angerufen wurdest. niemand ruft/spricht dich an, damit du geld sparen kannst!!!) die sollen sich freuen, dass ich gewalt nur im fall von notwehr oder nothilfe anwenden würde und ihnen nicht ihre clip-boards quer ins maul schiebe! (sorry, ziemlich gewalttätige formulierung, aber eben nur eine formulierung, nur worte.) zurück zu meinem leeren blick, er ist mehr als ein blick, mehr als nur augen. motivationstrainer raten einem oft vor einem spiegel zu lächeln. normalerweise lächelt man, weil man einen grund hat. manchmal funktioniert es auch andersrum, wenn man lange genug lächelt, stellt sich ein glücksgefühl ein, auch wenn es nur ein fake ist. manchmal faked man sich auch selbst. manchmal wird sogar aus dem fake realität, zumindest wird sie als solche empfunden. vielleicht ist es ebenso mit meinem leeren blick. anfangs benutzte ich ihn, um mein wirkliches ich, das bereitwillig gab, zu verstecken. später ging mein leerer blick tiefer. weiss nicht, was ich will. will ich meinen leeren blick behalten und die leute nicht an mich ranlassen und mich selbst schützen? will ich offener sein und meine gefühle gegebenfalls für nichts und wieder nichts riskieren? will ich mitfühlen? will ich nur auf dem kürzesten weg von a nach b? die existenzen am rand unbeachtet lassen? wenn ich es wäre, der hilfe bräuchte, könnte ich auch keine hilfe erwarten, davon bin ich überzeugt. (der leere blick geht tief.)

avare, 200530.04.2009 11:50

bin weich geworden. oder alt. oder milde. vielleicht sollte ich es altersmilde nennen. begegnete in den letzten wochen einigen (für mich) neuen menschen. (vielleicht 50) und nur vier menschen werden von mir abgelehnt. zeige verständnis. versuche nett zu sein, ohne irgendwelche hintergedanken. reiche die hand. als ich 18 war hätte ich bestimmt 70% dieser menschen abgelehnt. war sehr voreingenommen, vorverurteilend und von mir selbst eingenommen. meine ichbezogenheit ist natürlich nicht verschwunden, bestimmt die hälfte meiner gedanken drehen sich immer noch um mich, doch mein arroganzpegel ist gesunken, halte mich nicht mehr so oft bzw. nicht so intensiv für etwas besseres. wenn es so weitergeht kann aus mir noch ein guter mensch werden. mein problem ist aber immer noch meine denkerei. denke zuviel. das problem ist erkannt. schon lange. als kind bat ich gott mich dumm zu machen, dass ich einfach so sein könnte wie die anderen. (schon dieses gebet verdeutlicht wie arrogant ich damals war.) heute bin ich offener. urteile fast nie mehr bevor ich mich mit dem menschen unterhielt. und auch danach ist auch noch eine veränderung meines urteils möglich. meistens urteile ich aber gar nicht mehr, was wohl auch das beste ist.

avare, 200527.04.2009 17:52

die wahrsagerin, die ich mal kannte. (hab überhaupt keine lust auf einen eintrag, aber versprochen ist versprochen, also) einige worte zu ihr: 1.) Sie ist tot. fast ein Vierteljahrhundert schon. es war ein autounfall. 2.) sie kannte mich schon vor meiner geburt, da sie eine freundin meiner mutter war. damals war sie noch keine wahrsagerin. 3.) im gegensatz zu dem anderen wahrsager, den ich kenne, war sie 100% echt. ich weiss nicht, ob sie übersinnliche fähigkeiten hatte, doch visionen hatte sie sicher. war selber bei einigen anwesend. sie kamen über sie, oft aus dem nichts. etwa beim essen. einmal sagte sie: “reich mir mal das salz.” und im nächsten moment lag sie zitternd auf dem boden und fremde stimmen sprachen aus ihr. als kind hatte ich manchmal angst vor ihr.

avare, 200526.04.2009 19:59

18:49 - beginne den tippvorgang (halte den zeitpunkt fest, um zu erkennen wie lange ich tippte)

müde. dachte viel heute. themen waren ziemlich elementar: schönheit, alter, mann & frau, sprache, tod, lebensentscheidung, visionen, schicksal und einiges mehr. kann mich nicht erinnern vor wie langer zeit meine gedanken so blitzten. blitz. blitz. blitz. alles flog. mal sehen was ich von meinen gedanken zusammenbringen kann. werde nicht versuchen ordnung in meine gedanken zu bringen. nur runtertippen, was ich in mir finde. will auch nicht versuchen chronologisch zu sein. würde mich überfordern. bin müde, körperlich und geistig, und hab auch keine wirkliche lust jetzt zu tippen, aber irgendwas sollte ich schon festhalten. wo anfangen? brauche einen ausgangspunkt. fange ich mal mit der schönheit an, hab sie schließlich auch an den anfang meiner themenliste gesetzt. sah heute viele schöne frauen, bestimmt ein halbes dutzend oder mehr, zuerst dachte ich diese zahl wäre erstaunlich hoch, doch dann wurde mir von mir selbst verdeutlicht, dass ich auch erstaunlich viele menschen sah, einige hundert, da sind sechs oder sieben schöne frauen vielleicht auch nicht so aussergewöhnlich. eine frau stach aus diesen halben dutzend schöner frauen heraus, seltsamer typ, auf keinen fall deutsch, konnte aber auch nicht einordnen woher. rötliches haar, passte aber nicht wirklich zum teint, der ziemlich dunkel war, dennoch vervollkommnete das haar das gesamtbild, auch wenn es gefärbt gewesen sein sollte. gibt so was, dass die chemische industrie die wahre natur hervorbringt. unglaubliche lippen, kann mich nicht erinnern jemals so perfekte lippen gesehen zu haben. alles perfekt. nicht nur die lippen. doch die lippen noch perfekter. sah sie aber nicht wirklich als frau, sondern eher wie ein kunstwerk. sie hatte riesige goldene ohrgehänge. sehr feine struktur, die gesamtausmaße der ohrgehänge sehr gross. dachte, dass sie vielleicht eine südamerikanerin war, vielleicht auch südeuropa, eher spanien denn italien, vielleicht auch semitisch, jüdin oder araberin, auch möglich, dass sie eine “zigeunerin” war (politisch korrekt ist wohl eher “sinti” oder “roma”, war aber nicht das wort, das mir durch den kopf ging. wüsste auch nicht, was der unterschied zwischen “sinti” und “roma” wäre.). jedenfalls aussergewöhnlich. bin nicht gut im beschreiben äußerer charakteristiken. habe irgendwie ein gefühl für schönheit. kann es nicht in worte fassen. - anderes thema. dachte über zwei menschen nach, die ich als kind kennenlernte. zwei “wahrsager” oder wie immer man diesen “beruf” bezeichnen mag. ein mann und eine frau. zuerst dachte ich an den mann, keine ahnung wie ich auf ihn kam. vielleicht, als ich über lebensentscheidungen nachdachte. einmal sprach ich mit ihm, mag ca. 15 jahre her sein. er hatte damals gerade seinen “seriösen” beruf endgültig aufgegeben, um sich zur gänze auf die “wahrsagerei” zu konzentrieren. wir saßen zusammen. die anderen personen hatten gerade den raum verlassen. wir waren allein. und ich fragte ihn, wieso er sich gerade zu diesem zeitpunkt entschieden hätte alle sicherheit über bord zu werfen und nur noch als wahrsager zu arbeiten. er erzählte zuerst etwas davon, dass er es nicht ertrüge, wenn irgendwer ihm sage, was er zu tun habe. er wäre jetzt in einem alter (er war zu dem zeitpunkt etwa mitte 40), dass er erkannt habe, dass er in seinem restlichen leben niemandes befehl mehr befolgen werde. bis zu seinem tod werde er jede seiner entscheidungen, jede handlung und auch jeden fehler selbst verantworten. dann änderte sich seine argumentation in gewisser weise. er hielt seine arme etwas vor. deutete mit seinen augen auf seine arme. dann streckte er den einen arm etwas und sagte: “Dies ist ein Weg.”, er nahm den arm wieder in die ausgangsposition und streckte den anderen arm etwas und sagte: “Dies ist ein anderer Weg.” - er brachte auch den zweiten arm wieder in die Ausgangsposition - “Es besteht keine Verbindung zwischen diesen beiden Wegen. Niemand kann einmal auf dem einen und dann auf dem anderen Weg gehen.” - er streckte wieder einen arm und sprach dabei die folgenden worte: “Dies ist mein Weg. Es gibt kein zurück.” - irgendwie verstand ich ihn. finanziell hatte sein seriöser beruf schon lange keinen sinn gemacht. es kam schon ende der 70er vor, dass er 200 mark für eine sitzung nahm (war abhängig von der fragestellung und der finanziellen situation des kunden (bzw. der kundin, die meisten menschen, die seine dienstleistung in anspruch nehmen sind/waren frauen)), doch erst ein jahrzehnt später wurde ihm wohl klar, dass es keinen sinn machte weder ihm selbst noch anderen vormachen zu wollen ein mensch innerhalb des systems zu sein. - ich mochte ihn nie wirklich. insbesondere, seit ich mit acht oder so mitbekam wie er über seine kunden dachte. aus seinen worten sprach nichts als verachtung. er sagt damals, er würde ihnen nur erzählen, was sie hören wollen. eigentlich sei er nur ein lügner, nur ein außergewöhnlich guter. und wenn sie (die kunden) halt so blöd seien wäre es besser, wenn er das geld bekäme als irgend ein anderer. - ich weiss nicht, ob er wirklich “übersinnliche fähigkeiten” hat oder jemals hatte, oder ob er einfach ein guter menschenkenner und -täuscher ist. ist in diesem zusammenhang vielleicht auch nicht so wichtig. es ist fast eine stunde vergangen, seit ich begann zu tippen. breche ab. vielleicht ein anderes mal mehr zu meinen heutigen gedanken. wahrscheinlich aber nicht. werde sie wohl wieder vergessen. und selbst wenn ich sie nicht vergessen würde, ist es auch nicht wirklich möglich. sobald man gedanken ausspricht oder aufschreibt sind es keine gedanken mehr. es müsste ein gerät geben, mit dem man gedanken festhalten könnte ohne sie aussprechen oder schreiben zu müssen - wäre der einzige weg um sie wirklich festzuhalten zu können.

nochmal durchgelesen. und ein paar tippfehler korrigiert. über eine stunde vergangen seit ich begann zu tippen. bin jetzt weniger müde als zu dem zeitpunkt als ich begann. mache aber trotzdem nicht weiter.